Deutschland stoppt Astrazeneca

von Redaktion

Angst vor Blutgerinnseln: Impfungen ausgesetzt – Massive Kritik

München – Schwerer Rückschlag für die Impfkampagne im Land: Deutschland setzt die Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca vorerst aus. Vorausgegangen waren Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Mittel. „Bis jetzt gibt es sieben berichtete Fälle, die im Zusammenhang mit einer solche Hirnvenenthrombose stehen, bei mittlerweile über 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Es geht um ein sehr geringeres Risiko – aber falls es tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung stehen sollte, um ein überdurchschnittliches Risiko.“

Laut dem zuständigen Paul-Ehrlich-Institut soll man sich in ärztliche Behandlung begeben, wenn man sich mehr als vier Tage nach der Impfung unwohl fühlen sollte, etwa mit starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen, sagte Spahn.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte das Vorgehen gegenüber unserer Zeitung. „Eine Prüfung bei laufenden Impfungen wäre angesichts der Seltenheit der auftretenden Fälle besser gewesen. Angesichts dessen, dass die Fälle bei Geimpften wie bei Nichtgeimpften gleich hoch sind, hätte ich die Impfung weiterlaufen lassen. Jetzt haben wir einen erheblichen Vertrauensverlust. Unsere Impfstrategie fällt in sich zusammen, wenn der Impfstoff von Astrazeneca nicht weiter verwendet werden würde.“ Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz ist alarmiert. Gesundheitsminister Jens Spahn „zündet einen Flächenbrand“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Frankreich, Italien und Spanien erklärten ebenfalls, Impfungen mit Astrazeneca vorerst auszusetzen. Es handle sich um eine „Vorsichtsmaßnahme“, und es bestehe die Hoffnung, dass die Impfungen schnell wieder aufgenommen werden könnten, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Österreich forderte ein gesamteuropäisches Vorgehen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) plädiert dafür, den Impfstoff nach Wiederzulassung für alle freizugeben. „Endlos lange Prioritätenlisten“ machten dann keinen Sinn mehr, sagte er gestern im ARD-Brennpunkt. Viele würden sich dann sofort impfen lassen – er auch.

In Bayern wurden bereits 273 571 Erstimpfungen mit Astrazeneca vorgenommen, davon 14 400 in München. Vielerorts sorgt der Ausfall des Impfstoffs für Probleme. „Das ist ein schwerer Schlag für die Impfkampagne im Landkreis“, sagte Rainer Bertram, der Kreisgeschäftsführer des BRK Fürstenfeldbruck. Pro Tag würden im Impfzentrum rund 300 Menschen mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft, rund die Hälfte aller Impfungen. Auch Zweitimpfungen mit Astrazeneca werden überall abgesagt.  mm

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