Mühldorf – Seit September 2019 ermitteln Beamte des Bundeskriminalamtes – jetzt ist ihnen ein spektakulärer Schlag gegen ein internationales Kinderschänder-Netzwerk gelungen. Die Spur führte in den Landkreis Mühldorf. Der Kopf der Bande, die laut Ermittlern seit 2019 eine der weltweit größten kinderpornografischen Plattformen im Darknet betrieben habe, wurde Mitte April in einem Weiler im südlichen Landkreis Mühldorf festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Mit zwei weiteren Männern, einem 40-Jährigen aus Paderborn und einem 58-jährigen Deutschen, der in Paraguay lebt, soll der 49-jährige Programmierer die Darknetseite technisch umgesetzt und die Serverstruktur eingerichtet und gewartet haben. Über 400000 Nutzer wurden über die Plattform, die mittlerweile abgeschaltet ist, mit widerlichsten Missbrauch-Szenen männlicher Kinder versorgt.
Der 49-Jährige galt als „bieder, brav und ruhig“. Er habe sich vom Dorf abgesondert, berichten Nachbarn. Niemand weiß Schlechtes über ihn zu sagen. Am Abend des 13. April, gegen 20.30 Uhr, war es mit der Fassade jedoch vorbei. Spezialkräfte des BKA sollen die Eingangstür des Einfamilienhauses gesprengt und den Mann in Handschellen aus dem Keller geholt haben. Ob der Familienvater lediglich als Administrator tätig war oder auch einer seiner vier Söhne zu Missbrauchsopfern wurden, ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen.
Mit großer Bestürzung wurde die Nachricht in Taufkirchen und im Landkreis aufgenommen. Er sei entsetzt über die kriminelle Energie, die im Rahmen der Ermittlungen zutage getreten sei, sagte Landrat Max Heimerl (CSU). Sie sei geschockt, aber nicht völlig überrascht, sagt die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Cathrin Henke. „Dass wir eine Region der Glückseligen sind, das ist unwahrscheinlich.“