München – Nach wochenlangen Verhandlungen haben sich das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten auf die Einführung eines Impfzertifikats für Reisen ab Sommer geeinigt. Wie Parlaments-Verhandlungsführer Juan Fernando López Aguilar am Donnerstag nach dem Durchbruch sagte, soll das digital lesbare Dokument ab dem 1. Juli EU-weit das Reisen erleichtern. Neben Angaben zu Impfungen soll es auch Informationen über Tests oder überstandene Corona-Infektionen enthalten.
EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sprach von einem „wichtigen Schritt, um Freizügigkeit in der EU so sicher wie möglich wiederherzustellen“. Inhaber des digitalen Zertifikats sollen grundsätzlich wieder unbeschränkt in der EU reisen dürfen. Der Kompromiss sieht aber vor, dass Mitgliedstaaten zusätzliche Beschränkungen für Getestete, Geimpfte oder Geheilte einführen können, wenn es die Infektionslage erfordert. Mit der Forderung nach kostenlosen Tests konnte sich das Parlament indes nicht durchsetzen.
Das gelbe Papier-Impfheft bleibt dennoch weiter gültig. Die Staatsanwaltschaft München I erwartet in diesem Zusammenhang künftig eine Flut von Anzeigen wegen gefälschter Corona-Impfnachweise. Bislang seien zwar noch keine Verfahren eingegangen, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. „Es ist aber zu erwarten, dass sich dies mit der Einführung von mehr und mehr Lockerungen für vollständig Geimpfte sehr schnell ändern wird.“
Der Bundestag hat dazu gestern härtere Strafen beschlossen. Wer gefälschte Impfzertifikate nutzt, muss mit bis zu einem Jahr Haft rechnen. Auf das Eintragen falscher Angaben stehen zwei Jahre. hor/dpa