Berlin – Fahrgäste der Deutschen Bahn können nur vorübergehend aufatmen: Bis August ruhen die Streik-Pläne der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Die GDL will zunächst ihre Mitglieder zu einer Urabstimmung aufrufen, wie der Vorsitzende Claus Weselsky sagte. „Die GDL wird nicht zu Warnstreiks von einigen Stunden oder einem Tag aufrufen. Sie wird zunächst eine Urabstimmung durchführen“, teilte die Gewerkschaft mit. Ausgezählt wird am 9. August.
Vor gut zwei Wochen hatte die Gewerkschaft das Scheitern der Tarifverhandlungen erklärt und „Arbeitskampfmaßnahmen“ angekündigt. Dazu zählt nach dem Vokabular neben Warnstreiks und anderen Aktionen auch eine Urabstimmung über reguläre Streiks.
Vor wenigen Tagen noch hatte Weselsky angekündigt, dass die Streiks härter und länger als in der Vergangenheit würden. 2014/2015 hatten GDL-Mitglieder in acht Wellen gestreikt und die Arbeit zunächst stundenweise und nach einer Urabstimmung auch über mehrere Tage niedergelegt.
Bahn und GDL machen sich gegenseitig für das Scheitern der bisherigen Verhandlungen verantwortlich. Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr. Nach Lesart der Bahn summieren sich die gesamten Forderungen aber auf etwa das Dreifache davon. Das Unternehmen schlägt rund 3,2 Prozent auf einen längeren Zeitraum verteilt vor. Die Konkurrenzgewerkschaft EVG hatte schon im Herbst einen Abschluss über rund 1,5 Prozent unterschrieben. Dafür sind bis Ende 2023 Kündigungen ausgeschlossen.