München – Auch bei steigenden Infektionszahlen und Gefahren durch die Delta-Mutation soll es keinen tiefgreifenden Lockdown mehr geben. „Wir müssen bei einem Anstieg nicht sofort wieder zur klassischen Notbremse greifen, also automatisch Geschäfte und Gastronomie schließen“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unserer Zeitung. Durch die hohe Impfquote habe sich die Lage geändert.
Söder plädiert dafür, stattdessen in den restlichen Sommermonaten die Schulen besser zu schützen und auszustatten. „In einer denkbaren vierten Welle mit der Delta-Mutation muss es neue Instrumente geben.“ Notfalls will der Regierungschef die Kommunen gegen ihren Willen zwingen, Luftfilter in jedes Klassenzimmer zu stellen. Er will zudem das Impftempo in Bayern beschleunigen, vor allem in Betrieben und für Bürger mit Migrationshintergrund.
Söder warnte zugleich vor zu viel Euphorie beim Lockern. „Es wäre ein Fehler, jetzt alles blind freizugeben.“ Man werde in Schritten die Zuschauerzahlen für Sport und Kultur weiter erhöhen, auch für die Fußball-Bundesliga soll Publikum möglich sein. Bei Bars und Clubs riet er aber zu Geduld. Die Inzidenzen seien immens gesunken. Er wolle diesen Erfolg nicht im Überschwang riskieren. Er ermahnte auch Koalitionspartner Freie Wähler.
Söder stellte sich gegen Forderungen seines grünen Kollegen aus Baden-Württemberg. Winfried Kretschmann hatte angeregt, Freiheitsrechte im Kampf gegen Pandemien noch drastischer einzuschränken, dafür auf kürzere Lockdowns zu setzen. „Auch Corona hebelt das Grundgesetz nicht aus“, sagte Söder. cd