München – Angesichts galoppierender Energiepreise warnt der Mittelstand vor drastischen Folgen für Wirtschaft und Verbraucher. Die Corona-Krise drohe zum Jahresende „nahtlos von einer veritablen Wirtschaftskrise abgelöst zu werden, während sich um uns herum andere Staaten Europas wirtschaftlich erholen“, sagte Hans-Jürgen Völz, Chefvolkswirt des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft.
Über zwei Drittel aller bayerischen Unternehmen sehen die hohen Energiepreise mittlerweile als Gefahr für ihr Geschäft. Aktuell bewerten 83 Prozent die Energie- und Rohstoffpreise als Risiko, mehr als jemals zuvor. Vor einem Jahr waren es erst 29 Prozent, berichtete Manfred Gößl, Chef des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK), über eine bisher unveröffentlichte Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben. Am meisten klagen die Firmen über die im internationalen Vergleich hohen Strompreise. Daher fordert Gößl die Abschaffung der EEG-Umlage und die Senkung der Stromsteuer auf das von der Europäischen Union erlaubte Mindestmaß.
Gleiches verlangt auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). „Der an Dynamik gewinnende Aufschwung aus dem Corona-Tal droht an Materialmangel und steigenden Energiepreisen zu scheitern“, erklärte vbw-Chef Bertram Brossardt gegenüber unserer Zeitung.
Auch der womöglich preisdämpfende Ausbau der erneuerbaren Energien wie Wind- oder Sonnenkraft kommt nur schleppend voran. Laut Statistischem Bundesamt liegt Deutschland im EU-Vergleich nur auf Rang 16 von 27 Ländern. com