Rosenheim/Brüssel – Transport und Logistikverbände aus ganz Europa haben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aufgefordert, wegen der Behinderungen der Lkw-Transporte durch Tirol „endlich gegen Österreich vorzugehen“. Weil Tirol die Zeitfenster für Fahrten über den Brenner immer kleiner mache, komme es in Bayern – beispielsweise im Landkreis Rosenheim – regelmäßig zu Staus von bis zu 70 Kilometern Länge. Fahrer müssten zehn Stunden lang ohne Toilette ausharren, Anwohner hätten unzumutbare Belastungen zu ertragen, in Industriebetrieben komme es zu Produktionsstillständen wegen unterbrochener Lieferketten, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Brief von 13 Verbänden.
Bereits im März hatten sie von der Leyen zu einem Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich aufgefordert. „Dieses Schreiben blieb unbeantwortet, und die Präsidentin der EU-Kommission stellt sich seither gegenüber den Forderungen der Transportbranche taub“, kritisierte der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL).
Aufgrund der Blockabfertigung in Tirol sei es in der vergangenen Woche zu einem schweren Auffahrunfall mit einem Tanklastzug gekommen, die Autobahn A8 sei für 24 Stunden in beiden Richtungen gesperrt gewesen (wir berichteten).
Im Jahr 2020 fuhren laut BGL 2,3 Millionen Lastwagen über die Brennerautobahn. Um diese Transporte auf die Schiene zu verlagern, wären 428 Züge pro Tag notwendig statt 30 heute. Deshalb müsse die EU-Kommission als Hüterin der EU-Verträge jetzt „Österreichs illegale Anti-Transit- Maßnahmen stoppen“.
Indes hat Tirol gestern erneut eine Lkw-Blockabfertigung bei Kufstein durchgeführt. Nach Angaben der Verkehrspolizei reichte der Stau bis über die Anschlussstelle hinaus. dpa