München – Die russische Armee ist bei ihrem Angriffskrieg auf die Ukraine bis in die Hauptstadt Kiew vorgedrungen. Das ukrainische Verteidigungsministerium meldete am Freitag russische „Saboteure“ im nördlichen Stadtbezirk Obolon. Außenminister Dmytro Kuleba berichtete zudem von „schrecklichen russischen Raketenangriffen“ auf die Millionenstadt. Seit Beginn der Invasion am Donnerstag wurden auf ukrainischer Seite nach offiziellen Angaben mehr als 130 Soldaten getötet. Auch auf russischer Seite gibt es Verluste. Die genaue militärische Lage blieb aber undurchsichtig.
Russland erklärte sich am Freitag bereit, eine Delegation zu Friedensverhandlungen mit der Ukraine in die belarussische Hauptstadt Minsk zu schicken, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Staatschef Wladimir Putin zuvor zwei Mal ein Treffen angeboten.
Selenskyj sagte in einer Videobotschaft, die Russen machten entgegen ihrer Zusicherung keinen Unterschied zwischen militärischen Zielen und Wohnhäusern. Zugleich hielt er dem Westen mangelnde Unterstützung vor: „Wir verteidigen unseren Staat allein. Die mächtigsten Kräfte der Welt schauen aus der Ferne zu.“
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind in der Ukraine 100 000 Menschen auf der Flucht. Die UN rechnen mit bis zu vier Millionen Flüchtlingen, sollte sich die Situation weiter verschlechtern. Schon jetzt seien Tausende in Nachbarländer wie Polen, Moldau, die Slowakei und auch Russland geströmt, hieß es vom Flüchtlingshilfswerk UNHCR.
Die EU belegte Russland mit verschärften Sanktionen, verzichtete aber noch auf härteste Strafmaßnahmen. Die EU und die USA setzten am Abend auch Putin persönlich und Außenminister Sergej Lawrow auf ihre Sanktionsliste. Dies bedeutet, dass in der EU vorhandene Vermögenswerte der beiden eingefroren werden. Andere Strafmaßnahmen betreffen auch Energie, Finanzen und Transport. Kritik an Deutschland gab es, weil Bundeskanzler Olaf Scholz einen Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungssystem Swift verhindert hatte. Finanzminister Christian Lindner (FDP) deutete aber einen Meinungswechsel an. Die Nato kündigte an, zur Abschreckung Russlands Einheiten ihrer schnellen Einsatztruppe NRF nach Osten zu verlegen. Laut Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) wird die Bundeswehr dazu einer Kompanie in der Slowakei stationieren.
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