Berlin – Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat eindringlich vor einem Importstopp für russische Energie gewarnt. Wenn man von heute auf morgen jegliche Energie-Importe einstellen würde, „würde das bedeuten, dass wir in ein paar Wochen keinen Strom und keine Wärme mehr haben würden“, sagte die Grünen-Politikerin. Schon bald würden Leute nicht mehr zur Arbeit fahren können, Kindergärten hätten keinen Strom mehr, Krankenhäuser könnten nicht mehr am Laufen gehalten werden.
Bemerkenswert: Baerbocks Parteifreund Robert Habeck hält die deutsche Energieversorgung indes für die nächste Zeit für gesichert. „Die Vorräte sind da“, sagte der Bundeswirtschaftsminister am Freitag. „Wir kommen durch diesen Winter durch, und zwar, weil wir seit Dezember angefangen haben, politisch zu handeln.“ Die Bundesregierung habe mit staatlichen Geldern und mit politischen Gesprächen dafür Sorge getragen, dass die Gasspeicher, die auf niedrigem Stand gewesen seien, nicht komplett leerlaufen. „Die Kohlevorräte an den Kraftwerken reichen ebenfalls bis in den Sommer“, sagte Habeck.
Dagegen warnen Wirtschaftsverbände vor den Folgen weiterer Sanktionen gegen Russland – insbesondere einem Embargo für Öl oder Gas. Die Kosten für die Betriebe wären enorm, glaubt man etwa beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Auch die Chemie- und Autoindustrie fürchtet um die Versorgungssicherheit, die auch für die privaten Haushalte massive Auswirkungen hätte. Die Bundesregierung hat bereits erste Entlastungsmaßnahmen in die Wege geleitet.