München – Wohl aus Angst vor Verstaatlichung hat die Gazprom Germania ihre Erdgasspeicher nahezu leer laufen lassen. Der Freistaat Bayern ist davon besonders schwer betroffen – die Füllstände betragen insgesamt nur noch rund 14 Prozent, mehr als zehn Prozentpunkte weniger als im Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig sind Flüssiggas-Lieferungen aus anderen Förderländern derzeit noch rar und teuer.
Im Falle eines Gas-Embargos erwarten Experten deshalb, dass der Staat den komplexen Energiemarkt in die Planwirtschaft überführen müsste. Inzwischen ist auch die italienische Regierung unter Ministerpräsident Mario Draghi zu einem solchen Embargo bereit. Das EU-Parlament verlangt derweil verpflichtende Gasreserven in der EU, um die Energieversorgung im nächsten Winter zu sichern. EU-Länder sollen sicherstellen, dass ihre Gasreserven dieses Jahr bis zum 1. November zu 80 Prozent gefüllt sind.
Gestern Abend brachten die 27 EU-Staaten das fünfte große Paket mit Russland-Sanktionen auf den Weg. Die ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten billigten Vorschläge der EU-Kommission, die einen Importstopp für Kohle, Holz und Wodka sowie zahlreiche weitere Strafmaßnahmen vorsehen. Das teilte die französische EU-Ratspräsidentschaft mit.
Einen früheren Abschluss der Verhandlungen verhinderte Polen. Nach Angaben von Diplomaten wollte das Land zunächst nicht akzeptieren, dass die Übergangsfrist für den Importstopp für russische Kohle auf Wunsch von Ländern wie Deutschland vier Monate betragen soll – und nicht wie ursprünglich von der Kommission geplant drei Monate.