Istanbul – Erst bebt die Erde nachts sehr stark, dann mittags erneut. Das ganze Ausmaß der Katastrophe an der türkisch-syrischen Grenze ist am Montagabend noch nicht abzusehen: Nach mehreren schweren Erdbeben am Montag in der türkisch-syrischen Grenzregion ist die Zahl der Toten auf mehr als 3600 gestiegen. Rund 15 000 Menschen in der Türkei und in Syrien wurden nach bisherigen Informationen verletzt. In dem Katastrophengebiet, in dem Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien Schutz gesucht haben, herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt.
Dem Katastrophendienst Afad zufolge hatte das Hauptbeben am Morgen mit Epizentrum im südtürkischen Kahramanmaras eine Stärke von 7,7. Mittags erschütterte ein Beben der Stärke 7,5 dieselbe Region, wie in Istanbul die Erdbebenwarte Kandilli meldete. Auch im Libanon und im Irak bebte die Erde, ebenso auf der nahe gelegenen Mittelmeerinsel Zypern. Nach Angaben von EU-Vertretern war das Erdbeben in der Nacht zum Montag eines der stärksten in der Region in mehr als 100 Jahren. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach vom schwersten Beben seit 1939 und kündigte eine Woche Staatstrauer an.
Regen, Schnee und Kälte erschwerten die Hilfseinsätze. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte zu, Deutschland werde Hilfe schicken. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) rief dazu auf, schnell Geld- und Sachspenden in die Gebiete zu schicken.
Die Türkei bat ihre Nato-Partner um Unterstützung. Konkret wurden etwa für extreme Wetterbedingungen geeignete Feldkrankenhäuser und Personal für deren Einrichtung genannt. Erste Hilfsteams, auch aus Deutschland, machten sich am Montag bereits auf den Weg in die Türkei. Unterdessen warnte die türkische Katastrophenschutzbehörde vor weiteren Nachbeben.