München – In der Münchner Kliniklandschaft bahnt sich ein spektakulärer Umbau an. Die Staatsregierung will die beiden großen Universitätskliniken – Großhadern und Rechts der Isar – stärker zusammenführen. Sie müssten „sehr viel stärker gemeinsam auftreten“, sagte Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) unserer Zeitung. Er will einen Verbund schaffen, der größer und stärker als die Charité in Berlin ist.
Blume spricht nicht explizit von einer Fusion. „Ich will, dass wir Münchens Spitzenmedizin ganzheitlich betrachten, mehr aus einem Guss und unter einer Überschrift: als Nummer eins in Deutschland und unter den Besten in Europa.“ Der erste Schritt dazu sei, das Deutsche Herzzentrum und das Klinikum rechts der Isar zusammenzuführen. Die Charité (gut 3000 Betten, 100 Kliniken und Institute) ist eine der größten Unikliniken des Kontinents; dort sind zwei medizinische Fakultäten Berlins vereint.
Unterdessen wächst unter Top-Medizinern die Sorge vor einem schleichenden Abstieg des Standorts Deutschland und auch Münchens. Führende Experten nannten in Gesprächen mit unserer Zeitung überbordende Bürokratie und hohen Datenschutz als Hemmnisse. „Wir haben es jahrelang verpasst, die rechtlichen Rahmenbedingungen für medizinische Spitzenforschung auf einen internationalen Standard zu bringen“, klagt etwa Prof. Martin Halle (TU München). Der Kardiologe Prof. Alexander Leber vom Isarklinikum fordert leichtere Nutzung von Patientendaten. „Wenn wir diese Daten in Deutschland nicht zur Verfügung stellen können, wird sich die Industrie andere Länder suchen und ihre Projekte dort etablieren.“ cd/bez » POLITIK