Frankfurt – Die Menschen in Deutschland wünschen sich so kurze Arbeitszeiten wie noch nie. Auch wenn sie für diese kürzeren Arbeitszeiten auf Gehalt verzichten müssten, wollten sie durchschnittlich nur noch 32,8 Stunden in der Woche arbeiten, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ unter Berufung auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
Die Zahlen beziehen sich auf das jüngste verfügbare Jahr 2020. Zehn Jahre zuvor hatte die Wunsch-Arbeitszeit der Deutschen noch 34,4 Stunden in der Woche betragen. Die aktuelle Zahl ist die niedrigste seit Beginn der Erhebung 1985.
Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, hatte unlängst mehr Lust auf Arbeit gefordert. „Wir brauchen mehr Bock auf Arbeit.“ Die Realität sei: „Wir werden länger arbeiten müssen.“ Eine gute Work-Life-Balance bekomme man auch mit 39 Stunden Arbeit in der Woche hin. Doch das sozio-ökonomische Panel, für das 30 000 Personen im Jahr befragt werden, weist in die gegenteilige Richtung. Interessant dabei: Auch Männer aller Altersgruppen wollen weniger arbeiten.
Der Chef des als arbeitgebernah geltenden Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, fordert indes für Deutschland eine reguläre 42-Stunden-Woche, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Flächendeckend fehlten Fachkräfte, den Sozialversicherungen drohe die Überlastung, „während gleichzeitig Rufe nach einer Vier-Tage-Woche und hohe Teilzeitquoten den Arbeitsmarkt unter Druck setzen“, betonte er. 20 Jahre nach Agenda 2010 brauche es Reformen.