Miltenberg – Der Miltenberger Landrat Jens-Marco Scherf (Grüne) kritisiert die Migrationspolitik der Bundesregierung. Er fordert mehr Struktur und Steuerung. „Wir müssen die Asylverfahren in die Ursprungsländer oder die Transitländer verlagern“, sagt er unserer Zeitung. Das sei humaner, als die Menschen über die gefährlichen Fluchtrouten kommen zu lassen. Der 48-Jährige fordert auch, dass die EU und die Vereinten Nationen mehr Anstrengungen unternehmen, um die Situation in den Herkunftsländern zu verbessern. „Wir müssen ganz klar sagen, dass Deutschland und die EU nicht alle Menschen aufnehmen können.“ Wichtig sei es auch, schärfer zwischen Flüchtlingen und Migranten zu unterscheiden, die wegen einer Arbeitsperspektive nach Europa wollen.
In Scherfs Landkreis kommen wöchentlich 25 neue Geflüchtete an. Alle Unterkünfte sind längst voll. „Mit der großen Zahl an Menschen überfordern wir uns“, betont er. „So können wir die Integration nicht schaffen.“ Für seine klaren Worte bekommt er viel positive Rückmeldungen – aber auch Kritik. Unter anderem aus seiner eigenen Partei. Trotz Gegenwind hält er an seiner Botschaft fest. „Meine größte Sorge ist, dass wir die gesellschaftliche Rückendeckung verlieren.“
Vor der Integrationsministerkonferenz forderte gestern auch Alexander Throm, der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, eine Begrenzung der Migration. Der Bild-Zeitung sagte er: „Wir werden 2023 mindestens 300 000 Asylanträge haben.“ Die Prognose ergebe sich aus den ersten drei Monaten des Jahres. Da waren es 80 000 Erstanträge. „Im Sommer wird das tendenziell mehr.“ kwo