Berlin/London – Westliche Verteidigungspolitiker fürchten eine Eskalation in der Weltpolitik und fordern eine Stärkung der Nato. „Wir sind von einer Nachkriegs- zu einer Vorkriegswelt übergegangen“, schrieb Großbritanniens Verteidigungsminister Grant Shapps in einem Gastbeitrag für den „Telegraph“ zum 75-jährigen Bestehen des Bündnisses. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erneuerte seine Formel, die Bundeswehr müsse „kriegstüchtig“ werden.
„Russland bedroht unsere Nachbarn. China ist zunehmend aggressiv. Iran nutzt seine Stellvertreter, um regionales Unheil vom Nahen Osten bis zur Meerenge am Jemen anzurichten“, warnte der Brite Shapps. „Und Nordkorea rasselt kontinuierlich mit dem nuklearen Säbel. Diese bösartigen Mächte verbünden sich zunehmend und unsere Demokratie steht in ihrem Fadenkreuz.“ Er forderte unter anderem, die Nato müsse die Unterstützung der von Russland angegriffenen Ukraine verdoppeln. Polens Regierungschef Donald Tusk hatte am Montag gesagt: „Krieg ist nicht länger ein Konzept aus der Vergangenheit.“
Pistorius stellte derweil in Berlin seine Pläne für eine besser organisierte Bundeswehr vor. Es soll vier Teilstreitkräfte (Heer, Marine, Luftwaffe, Cyber) geben. Ziel sei, „die Bundeswehr so umzubauen in ihren Strukturen, dass sie selbst für den Ernstfall, den Verteidigungsfall, für den Kriegsfall optimal aufgestellt ist“, sagte er.
Der CSU-Landespolitiker Klaus Holetschek sagte nach einem Besuch im ukrainischen Butscha, die „Gefahr durch Aggressor Putin ist real und nicht kleinzureden“. Man müsse „auf alle Eventualitäten vorbereitet sein“. mm