Stromtrassen wieder oberirdisch

von Redaktion

Kurswechsel im Süden: Erdverkabelung künftig nur noch Ausnahme

München/Stuttgart – Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen wollen über Parteigrenzen hinweg künftige Stromtrassen umplanen. Neue Leitungen sollen prinzipiell oberirdisch und damit günstiger sowie schneller gebaut werden. Es ist eine spektakuläre Abkehr von der Erdverkabelung und dürfte vor Ort für Ärger sorgen.

Die Länder Baden-Württemberg und Sachsen bringen heute eine Initiative „Freileitung statt Erdkabel“ in den Bundesrat ein. Ähnliche Pläne gibt es in Teilen der Unionsfraktion im Bundestag. „Wir müssen weg von 110-Prozent-Lösungen, die teuer, kompliziert und langwierig sind – hin zu Lösungen, die Tempo bringen und pragmatisch sind“, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) laut „SZ“.

Auch Bayern leitet die Kurswende ein. „Es muss schneller gehen“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Landtag. Bei neuen Planungen gelte: „oberirdisch wo möglich, unterirdisch wo nötig“. Bisher erdverkabelt geplante Großtrassen wie Südlink und Südostlink bleiben unter der Erde.

Söder hebt damit einen zentralen Punkt der Politik seines Vorgängers Horst Seehofer auf. Wegen des Widerstands vor Ort hatten er und Teile der Freien Wähler gegen „Monstertrassen“ argumentiert und die Erdverkabelung durchgesetzt. Söder sagte im Landtag nicht offen, dass dies ein Fehler gewesen sei. Vor zehn Jahren sei „die Lage nicht vergleichbar dringlich“ gewesen, betonte er.

„Die Stromleitungen wären schon längst fertig gewesen, hätte nicht die CSU alles dafür getan, um genau das zu verhindern“, sagte Grünen-Fraktionsvize Johannes Becher im Landtag.  cd

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