Berlin – Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland hat einen Höchststand seit Beginn der Erfassung erreicht. Sie stieg im vergangenen Jahr massiv auf 8627 Fälle an, wie aus dem Jahresbericht des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) hervorgeht. Das waren rund 77 Prozent mehr als 2023.
„Nie zuvor wurden uns in einem Kalenderjahr mehr gegen Jüdinnen und Juden gerichtete Angriffe bekannt als im vergangenen Jahr“, sagte Rias-Vorstand Benjamin Steinitz. Rechnerisch ereigneten sich 2024 knapp 24 antisemitische Vorfälle pro Tag – im Vorjahr waren es 13 Fälle pro Tag. „Mit dem anhaltenden Krieg in Gaza und dem unerträglichen Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung ist die Unterstützung für das Vorgehen der israelischen Regierung auch hierzulande erodiert“, sagte Steinitz. Eine „traurige Konsequenz“ sei: „Jüdinnen und Juden werden regelmäßig für das Agieren der israelischen Regierung in Haftung genommen.“
Bei den antisemitischen Vorfällen, die Rias eindeutig einem politisch-weltanschaulichen Hintergrund zuordnen konnte, war der „antiisraelische Aktivismus“ mit 5857 Fällen die häufigste Kategorie. Einen „deutlichen Anstieg“ verzeichnete Rias auch bei gewalttätigen Vorfällen. Die Stelle dokumentierte acht Fälle von „extremer Gewalt“, 186 Angriffe und 300 Bedrohungen.