Brüssel – Angesichts der Bedrohung durch Russland will die Nato ihre militärischen Fähigkeiten extrem ausbauen. „Wir benötigen mehr Ressourcen, Truppen und Fähigkeiten, um auf jede Bedrohung vorbereitet zu sein“, sagte Generalsekretär Mark Rutte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist vorgesehen, die bisher gültigen Zielvorgaben für die militärischen Fähigkeiten um etwa 30 Prozent zu erhöhen. Oberste Priorität hätten Rutte zufolge die Luft- und Raketenabwehr, weitreichende Waffensysteme, Logistik und große Verbände von Landstreitkräften.
Bei einem heutigen Verteidigungsministertreffen in Brüssel sollen Deutschland und die anderen Nato-Staaten neue Planungsziele zugewiesen bekommen. Noch sind die Details streng geheim. Es wird allerdings damit gerechnet, dass nach der Annahme der Vorgaben durch die Verteidigungsminister einige Informationen öffentlich gemacht werden.
Als besonders große Herausforderung gelten die neuen Ziele, weil die bisher geltenden bei Weitem noch nicht erreicht sind. Ranghohe Militärs hatten zuletzt von einer Lücke von 30 Prozent gesprochen. Trotzdem deutet derzeit alles darauf hin, dass die 32 Nato-Regierungschefs auf einem Gipfel in Den Haag Ende Juni das von US-Präsident Donald Trump geforderte Fünf-Prozent-Ziel beschließen werden. Rutte hatte zuletzt vorgeschlagen, künftig einen Betrag in Höhe von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Verteidigung zu investieren und 1,5 Prozent in Infrastruktur wie Straßen oder Häfen, die für die Verteidigung relevant sein könnten. Laut Kanzler Friedrich Merz (CDU) würde jeder Prozentpunkt mehr für Deutschland ein Plus von 45 Milliarden Euro bedeuten.