Schon jetzt eine historische Szene: Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro wird in New York vorgeführt.
Caracas/Washington – Nach dem spektakulären US-Militäreinsatz mit der Gefangennahme von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro steht das ölreiche Krisenland vor einer ungewissen Zukunft. Während US-Präsident Donald Trump erklärte, die Vereinigten Staaten würden das Land vorübergehend führen, gibt es bislang keinerlei Anzeichen dafür, dass die USA tatsächlich die Regierungsgewalt vor Ort ausüben.
Im Gegenteil: Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zeigte sich am Sonntag unbeugsam und forderte die Freilassung Maduros, den sie als einzig legitimen Staatschef des südamerikanischen Landes bezeichnete. „Wir werden nie wieder Sklaven sein“, sagte sie in Richtung Trump. Sie schloss auch eine militärische Konfrontation nicht aus. „Wir sind bereit, Venezuela zu verteidigen; wir sind bereit, unsere natürlichen Ressourcen zu verteidigen.“ Das mächtige Militär stellte sich hinter Rodríguez. Verteidigungsminister Vladimir Padrino aktivierte Truppen im ganzen Staatsgebiet zur Landesverteidigung. US-Außenminister Marco Rubio erklärte sich grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit der verbleibenden Führung bereit, Trump ließ dem eine Drohung folgen. „Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen müssen, wahrscheinlich einen höheren als Maduro“, sagte er in einem Interview mit dem Magazin „The Atlantic“.
US-Elitesoldaten hatten den linksnationalistischen Staatschef Maduro und seine Frau Cilia Flores in der Nacht zum Samstag bei einem Blitzeinsatz in Venezuela außer Landes gebracht. Nach US-Angaben überwachten Spione in Caracas den venezolanischen Präsidenten bereits seit August. Verlässliche Angaben über Todesopfer aufseiten Venezuelas gibt es bislang nicht. Das Regime in Caracas nannte eher allgemein eine Zahl von mindestens 40 getöteten Soldaten und Zivilisten.
Maduro wurde in New York inhaftiert und soll dort zeitnah wegen „Verschwörung zum Drogenterrorismus“ vor Gericht gestellt werden. Die Vorbereitungen laufen seit Jahren. Laut US-Medien soll der Bundesrichter Alvin Hellerstein den Prozess leiten. Er ist bereits 92 Jahre alt.
Während China und Russland das US-Vorgehen verurteilten, hielten sich westliche Staatenlenker mit Protest zurück. Sie forderten jedoch einen geordneten Machtwechsel. Maduro habe „sein Land ins Verderben geführt“, erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz. Ähnlich äußerte sich der britische Premier. „Großbritannien unterstützt seit Langem einen Machtwechsel in Venezuela“, erklärte Keir Starmer. Frankreichs Präsident Macron sprach sich dafür aus, dass der Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia – vermutlich der rechtmäßige Gewinner der letzten Wahl – einen friedlichen Machtwechsel in Venezuela anführen solle. Zuvor hatte dies auch Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado gefordert.
Weltweit feierten acht Millionen emigrierte Venezolaner Maduros Sturz, auch in den USA gab es Jubelszenen. Jedoch regt sich vielerorts auch Protest gegen das Eingreifen. In einer gemeinsamen Stellungnahme nannten die Regierungen von Spanien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Uruguay den US-Einsatz einen Verstoß gegen das Völkerrecht. In München und Nürnberg demonstrierten gestern rund 500 Menschen.
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