Union stellt Recht auf Teilzeit infrage

von Redaktion

Vorschlag des CDU-Wirtschaftsflügels stößt in den eigenen Reihen auf Kritik

Berlin – Der CDU-Wirtschaftsflügel fordert eine Reform des Rechtsanspruchs auf Teilzeit und hat damit eine Welle der Kritik ausgelöst. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) begründete ihren Antrag für den CDU-Parteitag mit dem Fachkräftemangel in Deutschland und wandte sich gegen „Lifestyle-Teilzeit“. Gegenwind bekam sie aus den eigenen Reihen, vom Koalitionspartner SPD sowie von der Opposition.

In dem Papier mit dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ fordert die MIT eine Reform: Der Rechtsanspruch solle künftig „nur bei Vorliegen einer besonderen Begründung“ gelten. „Besondere Gründe können beispielsweise die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder eine berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung sein“.

Das brachte auch Teile der CDU auf. „Mit einer solchen Einschränkung zäumen wir das Pferd von der falschen Seite auf“, sagte der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke. „Aus guten Gründen haben wir uns als CDU immer für maximale Wahlfreiheit ausgesprochen.“ SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt warf dem Wirtschaftsflügel vor, mit seinem Vorstoß dem „Zusammenhalt in unserem Land“ zu schaden. Es sei „außerordentlich widersprüchlich“, einerseits den Beschäftigten im Land Faulheit zu unterstellen und sie zur Mehrarbeit zwingen zu wollen und andererseits „Menschen abzuschieben, die integriert und in Ausbildung und Arbeit sind“.

Der Grünen-Arbeitsexperte Armin Grau bezeichnete den Ausdruck „Lifestyle-Teilzeit“ als „respektlos“. „Viele Frauen wünschen sich, mehr arbeiten zu können.“ Auch Anja Piel, Vorständin beim DGB, erklärte, der Vorschlag führe gleichstellungspolitisch „zurück in die Steinzeit und ist auch arbeitsmarktpolitisch völlig am Ziel vorbei“. » WIRTSCHAFT

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