Der Iran-Krieg hat massive Folgen: Benzinpreise steigen, Touristen sitzen in der Region fest. Neben einem deutschen Kreuzfahrtschiff schlug gar eine Drohne ein. © dpa/afp/fkn
München/Teheran – Der Krieg in Nahost lässt die Energiepreise in Europa sprunghaft steigen und trifft somit die Verbraucher direkt. Rohöl verteuerte sich bis zum Nachmittag um rund acht Prozent, Heizöl um 23 Prozent. Beim Vergleichsportal Heizoel24 hatte sich die Nachfrage am Wochenende verzehnfacht.
Noch dramatischer ist die Lage am Gasmarkt: Am Montagmittag wurde ein Flüssiggasterminal in Katar von einer Drohne attackiert. Das Emirat stoppte daraufhin die Exporte. In der Spitze stiegen die Gaspreise in Europa seit Freitag um 50 Prozent. Weil Gaskraftwerke im deutschen Strommarkt preissetzend sind, verteuerte sich auch Elektrizität gestern um über 20 Prozent. Marktkenner fürchten derweil, dass hohe Preise im Frühjahr und Sommer das Befüllen der deutschen Gasspeicher verhindern könnten: „Dann müsste die Regierung das Speichern im Zweifel wieder anordnen“, so Tobias Federico von Montel Analytics. Auch Sprit verteuerte sich gestern: „Die Zahlen am Vormittag deuten auf eine Dimension von drei bis vier Cent“, sagte ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.
Bayerns Wirtschaft sieht ein eher düsteres Szenario. Die teils sprunghaft steigenden Mineralölpreise seien „mehr als belastend“, sagte Bertram Brossardt, Chef der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, vor Journalisten. „Was ganz übel sein wird, ist die logistische Frage der Wertschöpfungsketten.“ Die Golf-Region sei ein für Bayerns Betriebe wichtiger Umschlagplatz. „Das wird erhebliche Auswirkungen haben“, hinzu komme die psychologische Belastung des nächsten wirtschaftlichen Rückschlags.
Die Bundesregierung will derweil mehrere Charterflugzeuge nach Saudi-Arabien und in den Oman schicken, um von dort in Nahost gestrandete deutsche Reisende auszufliegen. Zuerst sollen Schwangere, Kinder und Kranke ausgeflogen werden.MAS/CD
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