München – Ministerpräsident Markus Söder plant einen Alleingang in der Energiepolitik: Bayern sei „bereit für ein Pilotprojekt“ mit Mini-Atomkraftwerken, sagte Söder der „BamS“. „Es ist Zeit für eine neue Epoche der Kernenergie.“ Damit stellte sich der CSU-Chef gegen die Linie von Kanzler Friedrich Merz (CDU), für den der Atomausstieg „irreversibel“ ist.
Der Beifall für Söder hält sich allerdings in Grenzen. SPD und Grüne sind ohnehin dagegen, aber auch die Wirtschaft ist skeptisch. Konkret lasse sich das Vorhaben erst beurteilen, wenn man die genaue Strategie zur Einführung kenne, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, unserer Zeitung. „Wir haben aber Zweifel, dass sich solche Anlagen schnell umsetzen lassen und man schnell genug die Akzeptanz für diese Technologie gewinnen kann.“ Man halte es zwar für richtig, diese Idee weiterzuverfolgen. „Das darf aber nicht dazu führen, dass es Verzögerungen bei der Energiewende mit Erneuerbaren sowie Gas- und Wasserstoffkraftwerken in der Reserve gibt.“
Auch Hubert Aiwanger (FW) erwartet sich nicht viel. „Wir brauchen jetzt erst zeitnah endlich die Umsetzung der Gaskraftwerke, über die schon jahrelang diskutiert worden ist“, sagte Bayerns Wirtschaftsminister unserer Zeitung. „Das ist für die Energiesicherheit Bayerns in den nächsten zehn Jahren neben Erneuerbaren und Speichern die entscheidende Aufgabe.“ Für neue Kernkraftwerke müsse die Bundesregierung das Gesetz ändern. „Ich bezweifle, dass es dafür eine Mehrheit gibt.“ Zudem seien „große gesellschaftliche Auseinandersetzungen zu erwarten, besonders auch wenn es um die Standortfrage geht“.MIK