Berlin – Ein deutscher Pass bei Geburt kann die Kriminalität von männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund spürbar senken. Zu diesem Schluss kam das Münchner Ifo-Institut in einer am Dienstag veröffentlichten Studie, in der Daten der polizeilichen Kriminalstatistik aus Baden-Württemberg, Hessen und Berlin ausgewertet wurden. In diesen drei Ländern lebt rund ein Viertel der deutschen Bevölkerung.
Jugendliche der zweiten und dritten Migrantengeneration, die nach der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts 2000 seit Geburt die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, wurden „rund 70 Prozent seltener von der Polizei als Tatverdächtige registriert“ als vergleichbare Jugendliche zuvor ohne deutschen Pass. Vor allem gebe es weniger Eigentums- und Drogendelikte. Das Recht auf Staatsbürgerschaft durch Geburt könne unter anderem „die Identitätsbildung prägen, das soziale Vertrauen stärken und die Chancen auf Bildung, Beschäftigung und politische Teilhabe verbessern“.
Aber: Der Effekt wird „vollständig von Jungen getragen“. Für Mädchen werde hingegen ein positiver Effekt auf die Kriminalität geschätzt. Das entspreche früheren Beobachtungen, wonach ein Pass bei Geburt Lebenszufriedenheit und Integration junger Migrantinnen verschlechtert habe.