Ungarn wählen Orbán ab

von Redaktion

Erdrutschsieg für Herausforderer Péter Magyar – EU hofft auf Kurswechsel

Budapest/München – Ungarn hat Viktor Orbán abgewählt. Sein Herausforderer Péter Magyar von der Partei Tisza feierte gestern einen Erdrutschsieg und kann sogar auf eine Zweidrittelmehrheit im Parlament hoffen. Dafür benötigt Tisza mindestens 133 der 199 Sitze im Parlament. Nach Auszählung von 81,5 Prozent der Stimmen kam die Partei auf 137 Sitze. Nach Angaben von Magyar hat Orbán die Niederlage eingeräumt. Er habe ihn angerufen, „um uns zu unserem Sieg zu gratulieren“, erklärte der Oppositionsführer gut zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale.

Die international viel beachtete Richtungswahl in Ungarn verzeichnete eine Rekordbeteiligung. 77,8 Prozent der Wahlberechtigten gingen an die Urne – so viele wie nie zuvor. Schon in den Prognosen vor der Wahl hatte sich eine Niederlage für Orbán von der rechtspopulistischen Fidesz-Partei abgezeichnet.

Orbáns Niederlage könnte auch Ungarns Blockadekurs gegenüber der EU beenden. Magyar hat eine Rückkehr zu einem prowestlichen Kurs angekündigt. Orbán hatte in seiner 16-jährigen Amtszeit die Rechtsstaatlichkeit eingeschränkt und einen Blockadekurs gegenüber der EU gefahren, in der Ungarn seit 2004 Mitglied ist. Zuletzt blockierte der 62-Jährige wichtige EU-Hilfen für die Ukraine. Zudem pflegt er eine offene Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin.

Péter Magyar sagte am Sonntag, sein Land müsse sich „entscheiden zwischen dem Osten und dem Westen, zwischen Korruption und einer sauberen Regierung“.

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