München – Bayerns Mittelschulen sollen attraktiver werden – mit mehr individueller Förderung, flexibleren Stundentafeln sowie mehr Projektarbeit und Berufsorientierung. Darauf hat sich das Kabinett in München verständigt – Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) stellte die Initiative anschließend vor.
Stolz räumte ein, dass es „Herausforderungen“ an der Mittelschule gebe. „Wir haben eine Zunahme von herausforderndem Verhalten, wir haben eine immer heterogenere Schülerschaft, wir haben Kompetenzrückgänge vor allem bei den Basiskompetenzen – also Lesen, Schreiben, Rechnen – zu verzeichnen“, erklärte die Ministerin.
Deshalb brauche es neue Impulse. „Mir ist es wichtig, dass die Mittelschule in der öffentlichen Wahrnehmung wieder die Stellung einnimmt, die sie verdient.“
Konkret: Schulen können künftig zusätzliche Zeit gezielt für Deutsch, Mathematik oder Englisch einsetzen – dort, wo die Schüler eine besondere Unterstützung brauchen. Jahrgangsübergreifendes Lernen wird gestärkt. Projektarbeit soll künftig bereits ab der 5. Klasse systematisch eingesetzt und stärker als Leistungsnachweis berücksichtigt werden. „Der Bildungserfolg wird viel zu oft noch mit dem Besuch eines Gymnasiums gleichgesetzt“, klagte Stolz. „Das ärgert mich, das ist falsch.“ Es brauche alle Schularten.
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sieht die Beschlüsse eher als Show. „In der Realität schaffen die Kollegen gerade einmal den Alltag.“ Ohne solide Finanzierung sei eine echte Mittelschulreform nicht zu schaffen. Aufgrund des Moratoriums fehlen im nächsten Schuljahr an den Mittelschulen 500 Vollzeitstellen.