Erdbeben: Tausende Tote befürchtet

von Redaktion

Fieberhafte Vermisstensuche in Venezuela – Ausmaß der Katastrophe unklar

Diese Frau konnte aus den Trümmern gerettet werden. Wie viele Todesopfer es gibt, ist noch völlig unklar. © Barreto/AFP

Caracas – Zwei schwere Erdbeben innerhalb von nur 39 Sekunden haben in Venezuela viele Menschen das Leben gekostet. Wie viele, das war gestern noch völlig unklar. Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte legte nahe, dass die Opferzahl dramatisch ausfallen könnte. Offizielle Zahlen zu Vermissten gab es zunächst nicht. Aber auf Internetseiten, die nach den Beben eingerichtet wurden, sowie in Sozialen Medien kursierten Listen mit den Namen von Menschen, die von ihren Familien gesucht werden. Demnach galten am Tag nach der Katastrophe rund 12.000 Menschen als vermisst – verifizieren lassen sich diese Daten jedoch nicht.

Am schwersten war der Bundesstaat La Guaira an der Karibikküste betroffen, wo auch der internationale Flughafen und der wichtigste Seehafen des Landes liegen. Die Suche nach Vermissten läuft ununterbrochen auf Hochtouren. „Es laufen intensive Rettungsarbeiten, um die Leben zu retten, die Gott uns retten lässt“, sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez. Sie sprach von einer Tragödie und einem Erdbeben „noch nie da gewesenen Ausmaßes“ in dem südamerikanischen Land. Vergleichbare Erdstöße hatte es zuletzt im Jahr 1900 gegeben.

Die Regierung rief den Notstand aus. Deutschland, die USA und andere Länder boten Hilfe an oder verkündeten die Entsendung von Rettungsteams. Die Hilfe aus dem Ausland ist auch dringend notwendig, da das Land offenbar nicht im Geringsten auf eine Tragödie dieser Größenordnung vorbereitet war. „Viele Rettungskräfte des Zivilschutzes haben uns gesagt, dass sie mit den Händen, ja mit den Nägeln arbeiten. Nach und nach treffen Ausrüstungen und Werkzeuge ein, aber das ist nicht ausreichend“, berichtete aus Caracas die Korrespondentin des spanischen TV-Senders RTVE, Carolina Alcalde. Die Einsatzkräfte hätten die ganze Nacht gearbeitet und seien völlig erschöpft.

Die Beben, die laut der US-Erdbebenwarte USGS eine Stärke von 7,2 und 7,5 hatten, ereigneten sich gegen 18 Uhr Ortszeit an einem Feiertag. Viele Menschen waren daher zu Hause oder verbrachten die Zeit im Freien.

Nach den Beben fiel vielerorts die Strom- und Wasserversorgung aus, auch das Mobilfunknetz und das Internet funktionierten zeitweise nicht.

»KOMMENTAR/WELTSPIEGEL

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