München/Berlin – Angesichts hoher Fehlzeiten in Unternehmen verschärft die schwarz-rote Koalition die Regeln für Krankschreibungen. Eingeführt werden soll die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung, wie Union und SPD nach ihrem Koalitionsausschuss mitteilten – bisher ist eine ärztliche Bescheinigung erst ab dem vierten Tag nötig. Abgeschafft werden soll die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen.
Aus der Ärzteschaft kam massive Kritik. „Das wird zu übervollen Praxen, einem Wust an zusätzlicher Bürokratie und einem enormen Zeitaufwand führen, der zulasten der eigentlichen Patientenversorgung gehen wird“, erklärten die drei Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. „Es grenzt zudem an Irrsinn, abertausende Menschen zusätzlich in die Praxen zu jagen für das reine Ausfüllen von Zetteln. Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett – und nicht in die übervolle Praxis.“
Auch die grüne Landeschefin Gisela Sengl erklärte, das Thema hinterlasse einen „sehr bitteren Beigeschmack. Merz und Söder unterstellen den Menschen weiterhin, dass sie zu faul sind und die Arbeit schwänzen.“
„Das ist eine harte Entscheidung, das wissen wir“, sagte Friedrich Merz (CDU). „Aber wir können uns diesen Wettbewerbsnachteil durch lange Abwesenheiten in den Unternehmen nicht länger leisten.“ Der Bundeskanzler stellte jedoch klar: „Die Betriebe können davon abweichen.“ Es ist möglich, andere Regelungen in Tarifverträgen, betrieblichen Vereinbarungen oder direkt mit einzelnen Arbeitnehmern zu treffen. Die Regierung schaffe nur ein Instrumentarium. „Was sie daraus machen, ist Sache der Unternehmen und der Beschäftigten.“MIK/CD» KOMMENTAR/BLICKPUNKT