München boykottiert Kranken-Regel

von Redaktion

Krause: Pläne gehen in „völlig falsche Richtung“ – Regierung rudert teilweise zurück

München – Die Aufregung um die Neuregelung der Krankschreibungen reißt nicht ab. Die Stadt München kündigte am Freitag an, die Vereinbarung des Koalitionsausschusses nicht umsetzen zu wollen. „Die Pläne der Bundesregierung gehen in die völlig falsche Richtung. Sie stellen Menschen unter Generalverdacht und sorgen für mehr Bürokratie“, sagte Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Wer krank sei, solle sich auskurieren können und nicht gezwungen sein, sich in überfüllte Praxen zu schleppen. „Sollte es die Möglichkeit geben, von der geplanten Neuregelung abzuweichen, werden wir als Stadt München davon Gebrauch machen“, sagte Krause.

Unternehmen wie BMW, Infineon oder die Stadtsparkasse äußerten sich auf Anfrage unserer Zeitung vorsichtig. Man warte erst die konkrete gesetzliche Ausgestaltung ab und werde diese dann prüfen, hieß es unisono. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, nannte die Pläne allerdings „sehr zielführend, um den hohen Krankenstand in den Unternehmen einzudämmen“.

Um die Regelung gibt es insgesamt große Debatten. Wie berichtet, wird sie von Ärzten abgelehnt, die einen Ansturm auf ihre Praxen befürchten. Der CDU-Arbeitnehmerflügel (CDA) sprach sich dafür aus, die geplante Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab Tag eins zu überdenken. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte am Freitag, diese Pflicht solle nicht bedeuten, dass man direkt am ersten Tag zum Arzt gehen müsse. Um diesen Widerspruch zu lösen, kommen aus der SPD erste Stimmen, an der telefonischen Krankschreibung festzuhalten.MIK/COM

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