Mächtiges Duo: Donald Trump (re.) mit FIFA-Präsident Gianni Infantino im Weißen Haus. Jetzt soll der US-Präsident wegen der Roten Karte für US-Stürmer Folarin Balogun eingegriffen haben. © Vucci/dpa
München – Bisher war Donald Trump nicht mal eine Randerscheinung der Fußball-WM, doch nun rückt der US-Präsident in den Mittelpunkt eines Skandals. Auch der Fußball-Weltverband Fifa um Präsident Gianni Infantino steht massiv unter Druck. Der Grund: Am Sonntag hatte die Fifa die Sperre für Folarin Balogun aus dem WM-Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) zur Bewährung ausgesetzt. Der Top-Stürmer der USA war damit im Achtelfinale gegen Belgien spielberechtigt.
Trump gab am Montag zu: „Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht dachte, dass es ein Foul war.“ Er habe aber lediglich um eine Überprüfung gebeten. Fifa-Chef Infantino bestätigte Trumps Anruf, erklärte jedoch zugleich, er habe Trump darauf hingewiesen, dass die Disziplinarkommission „unabhängig“ sei.
Der Aufschrei ist groß. „Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der Fifa“, sagte DFB-Boss Bernd Neuendorf, der auch im Fifa-Council sitzt, unserer Zeitung. Kritik kam auch aus der Bundesregierung: „Schiedsrichter-Entscheidungen sind Sache des Sports. Politik hat auf dem Spielfeld nichts zu suchen“, sagte Christiane Schenderlein (CDU), Sportstaatsministerin im Bundeskanzleramt.
Die FIFA habe „eine rote Linie überschritten“, erklärte auch die Europäische Fußball-Union (UEFA) und ging voll auf Konfrontationskurs: „Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck.“
Der belgische Fußballverband (RBFA) legte Berufung ein und scheiterte damit. Der Antrag sei „unzulässig“, da die RBFA „nicht Verfahrensbeteiligter ist“, urteilte die Fifa. Balogun kann somit im Achtelfinale am Dienstagmorgen (2 Uhr MESZ) eingesetzt werden. „Die Fifa ignoriert die fundamentalen Grundsätze des Sportrechts, nämlich Regeltreue und die Unumstößlichkeit von Tatsachenentscheidungen durch die Schiedsrichter“, urteilte Thomas Summerer, Fachanwalt für Sportrecht in München. Der Fall könne Folgen haben. „Falls der Spieler im nächsten Spiel eingesetzt wird, ist dieses Spiel durch einen Verstoß gegen die Statuten infiziert und würde dazu führen, dass Belgien das Ergebnis anfechten kann. Damit wäre der gesamte weitere Turnierverlauf gefährdet.“ »SPORT