Reykjavik – Island könnte in den kommenden Wochen einem Beitritt zur EU näherkommen: Die Einwohnerinnen und Einwohner stimmen darüber ab, ob ihr Land die Verhandlungen mit Brüssel wieder aufnehmen soll. Seit gestern können sie vorzeitig ihre Stimme abgeben, gut einen Monat vor dem offiziellen Termin für das Referendum am 29. August.
Umfragen zufolge sind die rund 400.000 Isländerinnen und Isländer gespalten. Bei einer Erhebung im Juni sprachen sich 52 Prozent der Befragten für die Beitrittsverhandlungen aus, 48 Prozent dagegen. Island hatte sich bereits 2009 auf einen Beitritt beworben, nachdem die Finanzkrise die isländische Wirtschaft hart getroffen hatte. Seit 2015 liegen die Verhandlungen auf Eis.
Island hat einfachere Voraussetzungen für einen EU-Beitritt als andere Kandidaten wie die Ukraine oder Serbien. Das Land gehört zum Schengenraum und ist Teil des Europäischen Wirtschaftsraums, es hat einen Großteil der EU-Gesetze bereits umgesetzt. Nimmt Island die Gespräche wieder auf, werden aber harte Verhandlungen über Fischereiquoten und die Finanzierung der Landwirtschaft erwartet. Stimmen die Isländer für die Wiederaufnahme, dürften die Verhandlungen einige Monate oder Jahre dauern.