160 Drohnen-Fälle an Flughäfen

von Redaktion

Nach Sprengstoff-Fund in Leipzig: Kritik an Kompetenz-Wirrwarr bei Abwehr

Leipzig/München – Die Zahl der Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen ist im ersten Halbjahr gestiegen. Insgesamt wurden an den 15 internationalen Verkehrsflughäfen in den ersten sechs Monaten 166 der Flugobjekte gemeldet, die meisten in Berlin und Frankfurt. Das berichtet die Deutsche Flugsicherung. Hintergrund ist der Fall in Leipzig, wo eine mit Sprengstoff beladene Drohne offenbar nur durch glückliche Umstände nicht neben einem ukrainischen Flugzeug detonierte.

Für den Angriff in Leipzig wurde Semtex verwendet. Der Plastiksprengstoff wird bei kommerziellen Sprengungen eingesetzt, gelangte aber während des Kalten Kriegs auch mehrmals in die Hände von Terroristen – unter anderem eingesetzt beim Lockerbie-Bombenanschlag über Schottland 1988. Offenbar riss in Leipzig der Zünder des Sprengsatzes ab. Ziel war wohl ein Frachtflugzeug aus der Ukraine. Das Bundesinnenministerium dementierte allerdings gegenüber Abgeordneten Medienberichte, wonach das Flugzeug mit Munition beladen war.

In der Nacht zum Mittwoch hatte ein Flughafen-Mitarbeiter die Drohne entdeckt und mit einem Fußtritt zu Boden gebracht. Er hatte offenbar großes Glück, dass sie nicht detonierte. Als Konsequenz aus dem Vorfall forderte der Grünen-Innenexperte Konstantin von Notz eine bessere Abstimmung zwischen den Behörden. „Wir brauchen klare Zuständigkeiten“, sagte er. Es gebe ein „diffuses Zuständigkeitsnetz“ bei der Drohnenabwehr. „Eine Sicherheitsbehörde muss den Hut aufhaben. Das ist die Bundespolizei. Die muss für die Sicherheit im Bereich der Luftsicherheit zuständig sein.“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dem OVB am Rande einer Veranstaltung in Rosenheim: „Letztlich ist die Feststellung in Leipzig eine Bestätigung der Befürchtungen, die wir schon seit einer Weile haben. Nämlich, dass solche Drohnenangriffe auch ausarten können.“ Die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit verschwimmen aus Herrmanns Sicht immer mehr. Es gebe mehr gefahren aus außenpolitischer Richtung.

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