Der Planungsdialog muss gelingen

von Redaktion

Zum Leserbrief „Zusätzliche Verkehrslasten für das Inntal“ von Günther Beyer:

Die beste Trasse kann man nur finden, wenn man alle möglichen vergleicht – dies erfolgt im Dialogverfahren. Vielleicht ergibt sich dabei auch, dass man gar keine akzeptable Trasse finden kann. Es grenzt an Naivität, wenn man glaubt, alle Bürger der Stadt und des Landkreises könnten an diesem Verfahren mitwirken, weil ein Bundesverkehrsminister die Bürgerbeteiligung versprochen hat. Es bleibt den Forenmitgliedern vorbehalten, die Interessen ihrer Gemeinde wahrzunehmen. Das Dialogverfahren soll zur Empfehlung einer Vorzugstrasse für die zweigleisige Neubaustrecke führen, über deren Bau dann die Parlamente entscheiden. Den Planungsauftrag dazu hat der Deutsche Bundestag bereits mit dem Bundesverkehrswegeplan 2030 erteilt, allerdings ohne den genauen Trassenverlauf festzulegen. Es gibt garantiert in jeder Gemeinde gute Gründe gegen einen Trassenverlauf in ihrem Gebiet. Diese gilt es jetzt anhand des Kriterienkatalogs zu benennen, zu erläutern und mit Fakten zu belegen. Hier nun liegt die Chance der Forenmitglieder – sicher eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Dem Planungsteam obliegt dann die Wichtung und Bewertung der Fakten und die Ergebnisse dieser Arbeit können wiederum von den Foren geprüft werden. Wenn man also zum Wohle seiner Gemeinde eine Trasse hier verhindern will, ist es sinnvoller, am Bewertungsprozess aktiv teilzunehmen, als mit dem Argument der fehlenden Notwendigkeit einer Neubaustrecke ins Leere zu laufen. Zwischenzeitlich haben die Planer die prognostizierten Zugzahlen geliefert (brennernordzulauf.eu) und die Tiroler führen uns durch die Blockabfertigung ebenfalls deutlich vor Augen, dass wir jetzt schon solche Güterzugskapazitäten bräuchten, um den Lkw-Brennerverkehr auf die Schiene zu bekommen, was über die Bestandsstrecke nicht zu bewältigen ist.

Manfred Kreibig

Rosenheim

Dem Leserbriefschreiber widersprechen wir in einigen Punkten. Wir meinen, die genannten Initiativen und die örtlichen Mandatsträger fordern eine Entlastung der Inntalgemeinden, selbst wenn es (auch infolge der planerischen Taktik der Bahn) Differenzen gibt über zielführende Wege. Auch die Geheimniskrämerei der Bahn wurde beendet und ein Gegengewicht geschaffen zu von wirtschaftlichen Interessen gesteuerten Studien und den von österreichischen Interessen geprägten Trassenfindungsplänen. Befürworter des Brennerbasistunnels kamen ebenso zu Wort wie der DB-Projektleiter, die Mitglieder der Gemeindeforen und Dialogkreise, die Bürgermeister sowie Naturschutz- und Wasserexperten. Bundestagskandidaten diskutierten öffentlich mit betroffenen Bürgern. Das als Hetze mittels Horrorszenarien zu bezeichnen, betrachten wir als Schlag ins Gesicht der Initiatoren, also der Vereinsvorstände, die sich ausdrücklich vom Sankt-Florian-Prinzip distanzieren, und der genannten Mitwirkenden. Argumente gegen Flächenfraß und Zerschneidung von Naturschutzgebieten bezeichnet der Leserbriefschreiber als scheinheilig. Was aber ist uns denn noch heilig? Süditalienische Erdbeeren im Winter? Der Trassenbau als Wertschöpfungsmaßnahme zur Steigerung des Bruttoinlandsprodukts? Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, neben einer Autobahn eine zweite zu bauen, solange auf der ersten noch Kapazitäten frei sind. Die Güterverlagerung von der Straße auf die Schiene befürworten wir ausdrücklich. Wichtig wäre eine von unabhängigen Sachverständigen ermittelte Güterverkehrsprognose unter der Prämisse einer ungeschönten Nutzen-Kosten-Analyse bei größtmöglicher Schonung von Mensch und Natur.

Dr. Frieder und Eva Storandt

Neubeuern

Artikel 5 von 5