Zur Aufführung von William Shakespeares „Was ihr wollt“ in der Theaterinsel in Rosenheim (Kulturteil):
Schade, dass Schauspieler ihr Stück oft genug dann aufgeben müssen, wenn, wie hier, nach neun Aufführungen die Textkonzentration der Premiere einer im wahrsten Sinne des Wortes spielerischen, fast professionellen Sicherheit gewichen ist. Und wenn die Schauspieler die dadurch frei werdende Energie in das sprachlich sehr anspruchsvolle aber immer wieder faszinierende Feuerwerk Shakespear´ schen Wortwitzes investieren können. Ausnahmslos – und von den meisterhaft gespielten Hauptrollen bis in die kleinste Rolle hinein – konnten sie das, in dieser leider letzten Aufführung von „Was ihr wollt“ des Ensembles in Toni Müllers „Theaterinsel“ in Rosenheim. Und erzeugten damit ein Fluidum „großen Theaters“, das auch weitaus größere Bühnen nicht zu scheuen gehabt hätte. Je kleiner die Requisitenkammer, umso mehr ist das Genie des Regisseurs gefragt, der im günstigsten Fall aus einer minimalistischen Bühne noch Kapital zugunsten des Stückes zu schlagen weiß. Dieses Kunststück ist den beiden Regisseuren Stefan Höhn und Luca K. Reichert wirklich in vollem Umfang gelungen. Auch nach drei Stunden, mit Pause, schien die Aufmerksamkeit des Publikums noch auf dem Anfangslevel, was schließlich in einem lang anhaltenden Beifall und zahlreichen Bravorufen seinen ehrlichen Ausdruck fand.
Manfred Ebeling
Raubling