Diskussion um ein Großprojekt

von Redaktion

Zum Artikel „Die Gegner der Gegner“ (Regionalteil):

Durch Vereinfachung der Sachverhalte wird im Artikel versucht, Positionen zwischen den Interessensgruppen zu schaffen, die in Wirklichkeit nicht bestehen. Die Vereine der Bürgerinitiativen haben zwar ihren Sitz überwiegend auf der östlichen Innseite, jedoch gibt es auch viele Ortsgruppen auf der westlichen Seite. Der Versuch, die Interessensgruppierungen auseinanderzudividieren, ist von politischer Seite schon gescheitert und wird auch hier nicht gelingen. Die im Artikel angeführten Äußerungen von Kiefersfeldener und Oberaudorfer Politikern sind – so sie denn nicht aus dem Zusammenhang gerissen sind – verständlich, aber zeugen von klassischer „Kirchturmpolitik“. Die Aussage, dass die Alternative zum dritten und vierten Gleis der sechsspurige Ausbau der Inntalautobahn ist, ist – meiner Meinung nach – falsch. Die Alternative ist die Auslastung der Bestandsstrecke mit Lärmschutzmaßnahmen wie beim Neubau, was im Übrigen nur einen Bruchteil öffentlicher Finanzmittel kosten würde und sinnvoller in Sozialprojekte oder Bildungspolitik zu stecken wäre.

Helmut Enzinger

Brannenburg

Ich kann den Frust und die Verärgerung der Kiefersfeldener und Oberaudorfer Bevölkerung über die starke Verkehrsbelastung absolut nachvollziehen. Die Konsequenzen, die ihre Bürgermeister und Teile der Gemeinderäte daraus ziehen, gehen jedoch in die vollkommen falsche Richtung. Die Bürgermeister Gruber und Wildgruber fordern eine Neubaustrecke mit einem dritten und vierten Gleis. Sie verkennen dabei vollkommen, dass diese Neubaustrecke in keiner Weise ihre Orte aus dem derzeitigen Verkehrsdilemma befreien wird! Auf dieser Neubaustrecke, die laut Bundesverkehrswegeplan als Hochleistungsstrecke (230 km/h) ausgelegt ist, werden, wie auf allen Hochgeschwindigkeits- und Hochleistungsstrecken, sehr wenig Güterzüge verkehren. Der große Teil der Güterzüge würde dann nach wie vor auf einer nicht modernisierten und mit unzureichendem Lärmschutz versehenen Bestandsstrecke verkehren. Der Lkw-Verkehr auf der Autobahn wird weiter zunehmen, da die Bahn zu teuer, zu unpünktlich und die gesamte Bahninfrastruktur nicht in der Lage ist, mehr Güter auf die Schiene zu bringen. Lokal wird der Lkw-Verkehr dann noch durch die Ansiedlung des Logistikzentrums in Kiefersfelden verstärkt. Die CSU-geführte Verkehrspolitik im Bund lehnt sowohl eine Erhöhung der Korridormaut als auch eine Alpentransitbörse ab, dadurch wird der Brenner nach wie vor die Haupt-Alpen-Transitstrecke bleiben. Kommunalpolitiker sollten auch bei der schwierigen Situation wie in Kiefersfelden und Oberaudorf, weder Scheinlösungen propagieren, noch die Planung einer Hochleistungsbahnstrecke befürworten, die landwirtschaftliche Flächen, wertvolle Natur, den Tourismus und die Vermögenswerte vieler Bewohner des Inntals und der Region Rosenheim zerstören würde.

Jakob Mangold-Boldt

Brannenburg

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