Was ist noch „menschengerecht“?

von Redaktion

Zum Artikel „Leistungssportler Kuh“ (Regionalteil):

Im Artikel wird darüber philosophiert was „noch tiergerecht“ ist. Aber man kann nichts darüber lesen, was noch „menschengerecht“ ist. Es ist sicher für alle leicht einzusehen, dass Milch von 10000-Liter-Turbokühen und Milch von einer Heublumen-Kuh die vielleicht nur zwei Drittel liefert, auch weil sie kein Kraftfutter frisst, nicht die gleiche Zusammensetzung haben kann. Auch bei gleichen oberflächlichen Analysewerten von Fett und Eiweiß sollte man sich fragen: Wie ist denn dann das Eiweiß strukturiert? Ist es dann noch das viel gelobte beste tierische Eiweiß, das wir zur Verfügung haben? Die Verweildauer der Milch im Euter bei Körpertemperatur ist beim dreimaligen Melken kürzer. Auch muss in der gleichen Zeit mehr Milch produziert werden.

Dies kann, so die Überlegung mancher Fachleute dazu führen, dass sehr kurze Aminosäureketten sich im Übermaß entwickeln, die an ihren beiden Enden hohes Reaktionspotenzial haben.

Diese kurzen Ketten sind zwar leichter verdaulich und werden vom Körper schnell aufgenommen, können aber, wenn sie sich nicht mehr im Gleichgewicht mit dem Resteiweiß befinden Überreaktionen und Allergien hervorrufen. Auch die Verarbeitung zu Käse wird schwieriger. Wenn nun neben der Abneigung gegen Fett und der absolut unseriös diskutierten Laktose-Empfindlichkeit auch noch hinzukommt, dass es nach dem Milchgenuss juckt und beißt und einem auch vom Eiweiß übel wird, also auch der bisher wertvollste Inhaltsstoff in die Kritik kommt, dann müssen nicht nur die leistungsschwachen Kühe zum Metzger, sondern einige mehr. Es wird dann viel billiges Fleisch geben, das auch keiner mehr will.

Max M. Wiedemann

Rosenheim

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