Zum Artikel „Zug voll: Schüler bleiben zurück“ (Regionalteil):
Es ist verrückt. Über die sozialistischen Länder haben wir einst deswegen gespottet, und jetzt bringen wir es selbst so weit, und zwar durch Privatisierung: Nichts funktioniert mehr. Zum Beispiel im Bahnverkehr. Dort fing es ja mit der Privatisierung scheinbar vielversprechend an. Kleine Unternehmen retteten mit großem Engagement Nebenstrecken. Und auch auf den Bahnstrecken im Oberland schien unter dem Geschäftsführer Heino Seeger eine neue, bessere Epoche anzubrechen. Doch die Bayerische Oberlandbahn (und damit auch der Meridian-Betrieb) gehört trotz ihres schönen regionalen Namens dem französischen Konzern Transdev (früher Veolia), der ursprünglich Müll transportierte und irgendwann sein Portfolio um Personentransporte erweitern wollte. Seeger musste gehen, seitdem haben BOB-Geschäftsführer eine kürzere Halbwertszeit als italienische Regierungschefs. Die Misere haben uns diejenigen eingebrockt, die uns einst „mehr Verkehr auf der Schiene“ versprachen, aber in Wirklichkeit nur ihr Geschäft im Auge haben. In Italien kann man studieren, wohin Privatisierungspolitik führen kann: Schon für kürzere Inlandsreisen bekommt man oft keine durchgehenden Fahrkarten mehr, weil auf den letzten 20 Kilometern eine andere Company fährt. Und Fahrpläne, die alle Züge auf einer bestimmten Strecke ausweisen, findet man meist nicht mehr. Sie würden auch nicht allzu viel nützen, weil man für einen Zug, der 15 Minuten später startet, eh schon wieder ein anderes Ticket lösen muss.
Bringen es wir eines Tages auch noch so weit?
Bernhard Edlmann
Raubling