Meine persönlichenErfahrungen mit Engelbert Siebler

von Redaktion

Zum Bericht „Sinn des Lebens verloren“ (Regionalteil):

Wenn es um physischen Missbrauch gegangen wäre, hätte ich mich nicht geäußert. Weil es da für mich nichts zu denken oder gar zu entschuldigen gibt. Aber psychischer Missbrauch ist, um es mal salopp zu sagen… „ein weites Feld“, um den guten Fontane zu zitieren.

Ich (68) hatte Herrn Siebler am Annette-Kolb-Gymnasium als Religionslehrer. Ich habe ihn nur als immer gut gelaunt, engagiert und vom Glauben überzeugt erlebt. Da ich jedoch damals (so mit 14 bis 16) Glaubenszweifel hatte, bat ich ihn um ein Gespräch. Ja, so zugänglich wirkte er. Da ich in Bergen wohnte, nahm er sich einen Nachmittag frei und fuhr mit dem Zug von Traunstein nach Bergen.

Wir wanderten stundenlang. Es machte ihm offensichtlich nichts aus, was „die Leute“ denken könnten. Mir sowieso nicht. Es war nicht die geringste erotisierende Schwingung da. Wir sprachen über den Sinn des Lebens, den Glaubensbegriff, Evolution oder Schöpfung, Gut und Böse, Krieg, Frieden, Krankheit.

Er ging vorurteilslos auf alles ein, bemühte sich ehrlich, mir „ein freudiges Christsein“ schmackhaft zu machen. Bevor er in den Zug stieg, sagte er zu mir: „Also Gabi, wenn ich mir all die Fragen gestellt hätte, wäre ich kein Priester geworden. Ich verspreche dir, gründlich darüber nachzudenken.“ So habe ich ihn erlebt. Dass er bei seinem Glauben blieb und Weihbischof wurde, kann man ihm nicht vorwerfen.

Ich hingegen bin aus der Kirche ausgetreten, dann lange Zeit Zeuge Jehovas gewesen. Dann auch ausgetreten und jetzt ganz überzeugt auf meine ureigenste Weise glücklich.

Der im Artikel zu Wort kommende „M“ kommt mir, ehrlich gesagt, ein wenig aus der „Jammerecke“ vor. Herr Siebler ist tot und kann sich nicht mehr äußern.

Gabi Leitner

Rosenheim

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