Zur laufenden Berichterstattung über den geplanten Brenner-Nordzulauf (Regionalteil):
In der BR-Sendung „Jetzt red i“ konnte der Zuschauer erleichtert feststellen, dass es doch noch Politiker gibt, die sich mit Zahlen und Fakten auseinandersetzen und aus Überzeugung politische Positionen vertreten. Die SPD-Europaabgeordnete Maria Noichl trug gut begründet ihre Ablehnung eines Neubaugleises als Brenner-Nordzulauf vor. Als Europaabgeordnete konnte sie auch glaubhaft versichern, dass die EU keinen Neubau und keine Geschwindigkeitsvorgabe von 230 Stundenkilometern vorschreibt. Dies ist also eine willkürliche Vorgabe der deutschen Verkehrspolitik aus der Zeit der CSU-Bundesverkehrsminister.
Die Argumente des bayerische Verkehrsministers Christian Bernreiter (CSU) waren eher spiritueller Natur. In festem Glauben und Vertrauen, dass der Bedarf für die zehn Milliarden schwere Neubautrasse schon noch nachgewiesen werde, vertrat er vehement die Forderung nach einem Neubau. Da fragt sich der Bürger, warum der Bedarf nicht schon längst nachgewiesen wurde. So wäre es doch einfach, die Kritiker zum Verstummen zu bringen. Zugzahlen, die einen Neubau rechtfertigen könnten, gibt es offenbar nicht.
Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer hatte dies vor drei Jahren mit seiner Trimode-Studie versucht und war kläglich gescheitert. Mit völlig absurden Annahmen wurden Zugzahlen von 500 Zügen errechnet. Dumm nur, dass diese nicht durch den Brenner-Basistunnel passen. Vom Brenner kommen maximal 400 Züge und die passen meines Wissens auf das Bestandsgleis. Bedarf für den Neubau? Fehlanzeige! Frau Noichl hat dies verstanden. Das müsste auch für einen CSU-Verkehrspolitiker möglich sein. Warum wehrt er sich so sehr gegen die Ertüchtigung der bestehenden Infrastruktur?
Georg Hinterbrandner
Rohrdorf