Zur Diskussion über die Herabsetzung der Strafmündigkeit:
Ja, das was Kinder anderen Kindern antun können, ist schlimm und manchmal nicht nachzuvollziehen. Die daraus folgenden Diskussionsstränge sind es in ihrer schon ekelhaften Doppelmoral allerdings nicht weniger und zeigen einmal mehr das gesamtgesellschaftliche Totalversagen in der Behandlung unserer Kinder und Heranwachsenden.
Das für mich offensichtlichste ist, die seit Jahren von verschiedenen Gruppen geforderte Herabsenkung des Wahlalters zu verweigern, wegen angeblicher Unreife, aber bei passender Gelegenheit Kinder ins Gefängnis stecken wollen, weil sie ja genau wissen, was sie tun. Das ist an Heuchelei kaum zu überbieten. Ähnlich scheinheilig ist es, junge Menschen als Klimaterroristen (bitte mal im Duden „Terrorist“ nachschlagen) zu bezeichnen, anstatt das Klimathema gesamtgesellschaftlich ernsthaft anzugehen.
Oder als Gesellschaft zu akzeptieren, dass Kinder ohne ausreichende Schreib- und Lesekenntnisse die Schule verlassen, weil das Schulsystem seit Jahrzehnten kaputtgespart wurde, und ihnen dafür dann mangelnde Arbeitsmoral zu unterstellen.
Wir wissen auch, dass die sozialen Medien alles andere als sozial sind und halten es trotzdem nicht für nötig, den Schutz unserer Kinder zu verbessern, weil politisch und gesellschaftlich einfach der Wille fehlt. Erst wenn wir diese Punkte erledigt haben, können wir glaubwürdig die Mündigkeit diskutieren.
Ulrich Eiwan
Amerang