Zum Bericht „Schule will Ludwig Thoma loswerden“ (Regionalteil):
Grundschulleiter Fietz sieht bei antisemitischen Artikeln von Ludwig Thoma die SA marschieren. Die regionalen Literatur- und Geschichtsexperten übersehen freilich, dass Ludwig Thoma ein Kind seiner Zeit war, die von einem langen und auch von Kirchen und herrschenden Kreisen geschürten Antisemitismus geprägt war. Die Not dieser Zeit gab ein weites Feld für Volksverhetzung und vor allem gegen die Minderheit der Juden, um von der fehlenden eigenen Verantwortung für die Kriegsfolgen abzulenken. Es ist problematisch, aufgrund von zeitlichem Fehlverhalten über Menschen zu urteilen. Den Vertretern der Schule stünde es gut an, das weite Feld der Literatur Ludwig Thomas angemessen zu würdigen und in das rechte Verhältnis zu seinen zweifellos nicht gutzuheißenden Ausfällen im Miesbacher Anzeiger zu setzen. So sind in seinen Werken engagierte Stellungnahmen gegen Überheblichkeit, Hartherzigkeit und Bigotterie zu finden. Das sind doch gute Beispiele für die Charakterbildung von Kindern, die auch gegensätzliche Charaktereigenschaften richtig verstehen und damit umgehen sollen.
Ulrich Bobinger
Feldkirchen-Westerham