Die Zahl der Woche? 222! 222 Millionen Euro! Für diese Summe wechselt ein brasilianischer Kicker, der ein paar Mal öfter als andere einen Ball in ein 7,32 mal 2,44 Meter großes Gehäuse treten kann, das Trikot. Die Sportwelt, Medien und Massen sind wie besoffen von dieser Schnapszahl.
222 Millionen Euro. So viel setzen erfolgreiche Waldkraiburger Mittelständler mit mehreren Hundert Mitarbeitern in einem ganzen Jahr um. 222 Millionen. Haben Sie sich schon einmal überlegt, was Sie mit so viel Geld machen würden? Oder übersteigt das auch Ihre Fantasie?
Liebe Güte, was könnte man mit einem Bruchteil dieser Summe nicht alles anstellen, zum Beispiel in einem kleinen Städtchen wie Waldkraiburg. Einen Öffentlichen Personennahverkehr für jedermann zum Nulltarif, einen Stadtbus mit fünf Linien im Viertelstundentakt und optimalen Anbindungen in jede Himmelsrichtung und jeden noch so kleinen Ortsteil sowieso.
Stattdessen – eine fortwährende Zitterpartie. Für die Kunden, die auf einen günstigen ÖPNV dringend angewiesen sind. Die gibt es in Waldkraiburg. Für die Stadt, der nach Jahrzehnten hoher und höchster Subventionierung, die Luft für derlei Projekte ausgegangen ist, so sozial und wichtig sie sein mögen. Für die Busunternehmen, die sich mit der Übernahme des Stadtbusverkehrs höchster Crashgefahr aussetzen.
Ein Unternehmen ist wohl auch durch den Stadtbus von der Straße abgekommen, das nächste hat nach weniger als einem Jahr eigenwirtschaftlichen Betriebs und einem weiteren Absinken der Fahrgastzahlen eine veritable Vollbremsung hingelegt. Und der Nachfolger wäre erst gar nicht in den Stadtbus eingestiegen, wären nicht (Leer-)Fahrten gestrichen, Kosten gesenkt, Preise erhöht worden.
Geht ein Waldkraiburger ÖPNV, der noch den Namen Stadtbus verdient, überhaupt eigenwirtschaftlich, ohne Zuschuss? Diese Frage wird vermutlich sehr bald beantwortet werden. Antwort ungewiss.
Das Waldbad – noch so ein Wackelkandidat. Seitdem sein Erhalt ernsthaft infrage steht, scheinen immer mehr Waldkraiburger zu merken, dass was fehlen würde, ohne diese Freizeitanlage, die weit und breit Ihresgleichen sucht. So ein Waldbad-Effekt würde wohl auch dem Stadtbus nicht schaden. Der wirksamste Beitrag zum Erhalt des Bads wäre aber wohl hinzugehen. Abstimmung mit den Füßen gewissermaßen. Heute zum Beispiel. So viel wie bei der Aqua-Gaudi von 9 bis 20 Uhr war nämlich selten geboten im Bad.
Die Wanderer wackeln nicht mehr. Die Waldkraiburger Wanderfreunde geben auf. Zu wenig Mitglieder, noch weniger, die anpacken wollen oder können, zu viel Aufwand bei den Veranstaltungen. Wieder ein Verein, der sich auflöst. Wohl wahr, so was gab es auch früher schon. Wenn der Nachwuchs fehlte, wenn sich keine neue Führung fand, wenn sich ein Vereinszweck überholt hatte, dann war und ist das eine natürliche Entwicklung. Das Ausmaß des Vereinesterbens ist dann bedenklich, wenn nichts Neues an ihre Stelle tritt. Nichts, was die Leute zusammenbringt, Junge und Alte, unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen sozialen Schichten.
Denn es können doch nicht alle nur noch beim Bezahlfernsehen sitzen, um Fußballmillionarios beim Kicken zu beobachten, ihnen das Geld in den Rachen zu werfen und die Millionenmaschine am Laufen zu halten… Hans Grundner