Waldkraiburg – Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat in Waldkraiburg drei sogenannte Zuverdienstprojekte. Hier bieten sie Menschen mit psychischen und/oder Suchterkrankungen die Möglichkeit, wieder am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Ein Projekt ist der Hauswirtschaftsdienst (HaWiDi), der öffentliche und private Gebäude und Haushalte reinigt, gewaschene Wäsche mangelt und bügelt und kleinere Näharbeiten durchführt.
Ein weiteres Projekt ist der Empfangsbereich und die Telefonvermittlung in der sozialtherapeutischen Einrichtung der AWO in der Riesengebirgsstraße. Hier werden Anrufe entgegengenommen und weitergeleitet. Außerdem gehört der Verkauf der Produkte, die in der STE hergestellt werden, zu den Aufgaben.
Wieder Struktur ins Leben bringen
Das dritte Projekt ist die Radlfundgrube (siehe auch Interview). Hier werden Fahrräder, die von Kunden gebracht werden, repariert, auf Verkehrstauglichkeit geprüft sowie Teile gereinigt. In den Wintermonaten werden zudem alte Fahrräder repariert und für den Wiederverkauf hergerichtet. Noch nutzbare Teile werden aussortiert, gereinigt und eingelagert.
Das klingt alles erst einmal nicht besonders anspruchsvoll, doch für Menschen mit psychischen und/oder Suchterkrankungen sind das Beschäftigungen, die sie ordentlich herausfordern.
Jürgen Schneck, der die Radlfundgrube leitet, kann von Mitarbeitern erzählen, die erst wieder in ganz kleinen Schritten das Arbeiten lernen müssen. Sie sind in diesen Zuverdienstprojekten gut aufgehoben. Hier haben sie keinen Leistungsdruck, sie werden von qualifizierten Arbeitstrainern angeleitet und sozialpädagogisch betreut.
„Für viele ist es wichtig, dass sie wieder eine Tagesstruktur bekommen, Dinge wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit oder Selbstständigkeit üben können“, ergänzt Sozialpädagogin Daniela Muchingile. Während sich Jürgen Schneck um die technischen Fertigkeiten seiner Mitarbeiter kümmert, hilft sie auch bei Dinge des täglichen Lebens.
Die größte Hürde, die Betroffene überwinden müssen, wenn sie in einem der Zuverdienstprojekte arbeiten wollen, ist, dass sie mit der sozialtherapeutischen Einrichtung der AWO Kontakt aufnehmen müssen. Unter der Telefonnummer 08638/810520 landen sie bei der Telefonvermittlung und können sich dann mit Daniela Muchingile oder ihrer Kollegin Barbara Costachel-Baksa verbinden lassen und mit ihnen alles weitere besprechen. Interessierte können aber auch einfach bei der sozialtherapeutischen Einrichtung der AWO in der Riesengebirgsstraße vorbeikommen. „Einer von uns Beiden ist immer da“, so Daniela Muchingile.
Voraussetzung dafür, bei einem der Zuverdienstprojekte mitzuarbeiten ist, dass man kein Bezieher von Hartz-IV-Leistungen ist, sondern beispielsweise Grundsicherung bekommt, eine Erwerbsunfähigkeitsrente oder bereits die Altersrente. Hier hat der Bezirk Oberbayern die Richtlinien entsprechend geändert.
Nach einem Probearbeiten kann der Bewerber dann entscheiden, ob er beispielsweise in der Radlfundgrube aktiv werden will. „Es sind keine berufliche Qualifikation oder technischen Vorkenntnisse notwendig“, stellt Jürgen Schneck klar.
Wie der Name „Zuverdienstprojekt“ schon sagt, bekommt man nur eine kleine Entlohnung und darf auch nur maximal 15 Stunden pro Woche arbeiten. „Die Bezahlung ist bei den meisten sowieso sekundär“, weiß Schneck aus Erfahrung. Die positive Bestätigung und die sozialen Kontakte seien viel wichtiger.
Deshalb organisiert die AWO neben der Arbeit auch Freizeitaktivitäten. „In diesem Jahr waren wir einmal in den Bergen, haben Burghausen besichtigt, haben eine Grillfeier organisiert und werden noch eine Weihnachtsfeier haben“, listet Danilea Muchingile auf.
„Das Gesamtpaket ist für viele, die zu uns kommen, ein großer Stabilisierungsfaktor in ihrem Leben“, so Jürgen Schneck.
Da jetzt im Winter die Radreparaturen stark abnehmen, konzentriert man sich in der Radlfundgrube auf das Herrichten alter Fahrräder. Hier freut sich Jürgen Schneck immer, wenn ihnen Bürger ausrangierte Drahtesel – egal ob fahrtüchtig oder nicht – schenken, bevor sie sie zum Wertstoffhof bringen. „Wir können jedes Radl gebrauchen; entweder zum Herrichten oder als Ersatzteillager“, so Schneck.hsc