Waldkraiburg – „Es war Liebe auf den ersten Blick“ – sagen sie. Und daraus sind bei Gertrud und Willi Czierlinski 60 Ehejahre geworden. Das Paar stammt aus Ostpreußen und fühlt sich seit über einem halben Jahrhundert in Waldkraiburg wohl. „Man muss in Liebe zusammenhalten. Auch das christliche Leben hat uns gestärkt und die viele Arbeit zusammengeschweißt“, erzählt das diamantene Hochzeitspaar, dem auch Bürgermeister Robert Pötzsch gratulierte.
Gertrud Czierlinski kam am 18. Juli 1936 in Schützendorf zur Welt. Ihr Vater kam nach dem Krieg nicht mehr heim; sie und ihr Bruder wurden von der Mutter streng erzogen. Ihr tägliches Brot verdiente sich Gertrud in der Landwirtschaft.
Ihr Gatte Willi wurde am 4. Oktober 1934 in Waldburg geboren und erlebte mit fünf Geschwistern seine Kindheit. Nach der Schulzeit war er ebenso in der Landwirtschaft tätig. „Für Hobbys hatten wir keine Zeit. Aber im Sommer waren wir gerne am See und im Winter auf dem Eis“, erinnert sich Willi.
Rund 50 Kilometer wohnten die jungen Leute auseinander. „Manchmal wurden damals den jungen Burschen Adressen von Mädchen zugesteckt – von einem Bekannten erfuhr ich die Anschrift von Gertrud. So entstand zuerst eine Brieffreundschaft“, lächelt Willi. „Bei unserem ersten Zusammentreffen hat es gleich gefunkt“, bestätigt seine Frau. „Wir hatten eine schöne einfache Hochzeit, denn es war eine arme Zeit damals – eine Kuh bekamen wir geschenkt. Das Wetter war diesig und es fielen ein paar Schneeflocken“, erinnert sich das Paar.
Den glücklichen Eheleuten wurden zwei Töchter geboren. Inzwischen freuen sie sich über sieben Enkel.
Als Spätaussiedler konnten sie 1966 nach Deutschland kommen, denn ab 1945 gehörte Ostpreußen zu Polen. „Durch die Überlassung einer Kuh samt Milchkanne erhielten wir die Genehmigung“, sagt das Paar. Fünfmal besuchten sie noch die etwa 1400 Kilometer entfernte alte Heimat. „2004 waren wir das letzte Mal dort“, erzählt Gertrud, die noch polnisch lesen und schreiben kann. Sie arbeitete bis zum Ruhestand noch fast 30 Jahre bei der Firma „Primus“, ihr Mann bei den Baufirmen Antosch und Müller. Zusammen versorgen sie ihren Haushalt und den kleinen Garten in der Birkenstraße und genießen die Familienfeste. bac