Familienserie „Bei uns dahoam“

Bei der Tracht sind sie sich einig

von Redaktion

In Sachen Kleidung sind sich Eltern und Kinder nicht immer einig, was schön ist. Bei Familie Huber aus Hausing teilen drei Generationen in dieser Frage eine Meinung: Sie tragen gerne Tracht. Richtige Tracht, wohlgemerkt.

Waldkraiburg/Aschau – Es macht einfach was her, wenn Rita, Ludwig, Ursula, Kilian, Regina und Miriam Huber in Tracht gekleidet nebeneinander stehen. Die Farben der Schürzen sind identisch, die Federn auf den Hüten der Kinder und von Papa Ludwig strahlen weiß. Die weiblichen Familienmitglieder tragen Flechtfrisuren. Ursula ist schon einige Zeit beschäftigt, bis sie auch ihren Töchtern die Haare gemacht hat. „Bei uns Männern geht das schneller“, sagt Ludwig Huber – mit ein bisschen Erleichterung in der Stimme. Wie man eine traditionelle Tracht richtig trägt, das muss man lernen. Welche Farben haben die Schürzen? Blumenschmuck dazu?

Es gibt viele Details zu beachten, um die Tradition zu bewahren. An hohen kirchlichen Feiertagen wird Tracht in einer anderen Variante getragen als an einem normalen Sonntag beispielsweise. Worauf es dabei ankommt, das geben Trachtenvereine weiter.

Und nicht nur das. Tracht hängt mit traditionellen Tänzen zusammen, mit Platteln, Goaßlschnoizn und Musik. Bei Familie Huber gehört all das zusammen. Ludwig Huber ist von allen Familienmitgliedern am längsten im Trachtenverein d´ Stoabacher Aschau am Inn. Sein Vater war dabei, seine Schwester, viele Schulfreunde – da war das Interesse geweckt. Zehn Jahre war er alt, als er Mitglied wurde.

Die Gelegenheit

muss passen

Bei seiner Mutter Rita war es später: „Ich wollte schon als Kind zum Trachtenverein.“ Da sie aber mehrere Geschwister hatte und Trachten eben kein Schnäppchen waren und sind, ging es nicht. Sie war schon erwachsen, als sie zum Verein kam. Ihre Schwiegertochter Ursula kam als Teenager zur Tracht. An sich sei es damals eher „uncool“ gewesen, Tracht zu tragen, erinnert sie sich. Aber der Trachtenverein in ihrer Heimatstadt Wasserburg hat sie doch interessiert: „Da war immer was los. Und dort gab es Burschen, die tanzen konnten.“

Und die drei Kinder von Ursula und Ludwig? Wie kamen Kilian, Regina und Miriam zur Tracht? „Die kennen das gar nicht anders“, stellt Ludwig fest. „Die haben nicht auskönnen“, scherzt Ursula. Mit einem Jahr hatten sie schon traditionelles Gewand an, wenn sie Mama und Papa auf Feste des Vereins begleiteten.

Wer sich mit Kilian, Miriam und Regina unterhält, stellt schnell fest, dass die drei sehr gerne von sich aus Tracht tragen oder tanzen und platteln. Regina sagt, sie trage auch gerne ein Dirndl. Das sitze halt lockerer als ihre Tracht. Und Kilian erzählt, dass es ihm beim Gaufest gefallen habe, rund 8000 Trachtler zu sehen – was wiederum auch Papa Ludwig freut. Auch die Kinder in der Familie Huber können gut erklären, zu welchen Gelegenheiten Tracht in welcher Variante getragen wird. Die Hubers reden auch schon mal gemeinsam drüber. Man könnte sagen: Die Familie teilt ein Hobby.

Kinder wachsen natürlich auch sehr schnell aus ihren Trachten raus. Für die Röcke der Mädchen gibt es feste Vorschriften, wie lang sie sein müssen. Aber wenn ein neues Kleidungsstück her muss, ist es auch gut, im Trachtenverein zu sein. Denn dort könne das Gwand für die Kinder eben auch mal getauscht oder gebraucht gekauft werden, sagt Mama Ursula.

Tracht als Einstellung

Ursula und Ludwig haben auch in Tracht geheiratet. Das sei aber nicht von Anfang an so geplant gewesen. Die Tracht ist kein Gwand, das sehr oft getragen wird. Die Gelegenheiten müssen passen. Und man schlüpft eben nicht einfach nur in Tracht hinein, es ist vielmehr ein Ankleiden. Gerade bei den Frauen müssen oft auch Nadeln zum Feststecken verwendet werden, damit alles sitzt. Es muss alles passen, von Kopf bis Fuß. „Wir würden nie Turnschuhe zur Lederhosen tragen“, sagt Ludwig Huber. Tracht ist für die Hubers eben keine Mode, sondern eine Einstellung.

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