Waldkraiburg – Zahlreiche Besucher erlebten auf Einladung des Tageszentrums des Diakonischen Werks einen Abend, der aufzuzeigen versuchte, wie verschiedenartige Kulturen wegweisende Formen anbieten können, um intakte Gemeinschaften aufzubauen.
Es begann alles auf einer saftig-grünen Wiese, auf der sich John Olugbenga aus Nigeria und der Deutsche Stephan Lanius an seinem Kontrabass gegenüberstehen. Erzählt der eine, lautmalerisch unterstützt von seinem Instrument, das er vehement bearbeitet, von einer Kuh, die zum Metzger geschleppt wird, gesteht der Schwarzafrikaner seine Angst vor den Formalitäten, mit denen er in Deutschland konfrontiert wird.
In Nigeria sitze man auf einem Baum und singe Lieder. Man kenne bei ihm eine ganz andere Art von Gemeinschaftsleben, ersticke nicht in Papierkram und Bürokratie. Auch nach Stephans Geschichte von den Lasttieren Esel und Pferd bietet John ein Rezept: In seiner Heimat ist man nie allein; in einer Notlage geht man zum Nachbarn. Allerdings gesteht er auch, dass in seinem Land etwa gegen den islamistischen Boko Haram noch keine wirksame Gegenwehr gefunden ist: „Wir brauchen euch, ihr habt eine gute Ausbildung, habt so viele Wissenschaftserfolge. Aber wenn euch andererseits jemand beleidigt, rennt ihr gleich zum Rechtsanwalt. Wir befragen Freunde und Bekannte.“
Am Beispiel zweier Füchse wiederum versucht der Deutsche aufzuzeigen, dass man mit Ehrlichkeit, Gründlichkeit usw. weit kommen kann. Demgegenüber ist in Nigeria das gegenseitige Helfen die einzige Möglichkeit, sich auch unter korrupten Präsidenten zu behaupten, so der Afrikaner. Und als er zwar Rede- oder Religionsfreiheit, für Reiche sogar Steuerfreiheit lobend hervorhebt, muss Stephan zugeben, dass in Europa jährlich 120 Milliarden Euro durch Korruption versickern.
„In Deutschland machen in Bus oder S-Bahn die Leute so traurige Gesichter. Wir zuhause bauen uns auf in unseren Familien und mit unserer Musik!“, so der Nigerianer, „so könnten doch die Kulturen von einander profitieren, sich gegenseitig ergänzen!“
Deshalb forderte John das Publikum auch immer wieder zum Mitsingen auf, was schließlich recht lautstark gelingt, besonders beim Schlusssong „Let’s get together, to feel alright“.