Waldkraiburg – Vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge ging unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs der Vorschlag aus, einen weltweiten Gedenktag für die Opfer dieser Katastrophe einzuführen, bis schließlich 1950 der Volkstrauertag als erste zentrale Veranstaltung in Bonn initiiert wurde.
„Nie wieder Krieg!“ Dieser Ausspruch ist zum geflügelten Wort geworden, das es jedoch tagtäglich aufs Neue zu verwirklichen gilt – so Pfarrer Simon Stritar bei der Gedenkfeier in der Aussegnungshalle des Waldfriedhofs. Den Gedanken setzte Pater Bernhard Stiegler fort, der auf die guten Erfahrungen aus dem Jahr 1989 verwies, als mit Gebeten für den Frieden auf gewaltlosem Weg eine diktatorische Staatsmacht einknickte. „Alle wollen den Frieden, aber jeder seinen eigenen. Dürfen beispielsweise EU und UN im vom Bürgerkrieg bedrohten Katalonien nur zuschauen?“, so der Geistliche.
„Kann man Trauern verordnen?“ Von dieser Frage ging Bürgermeister Robert Pötzsch aus. Bei vielen rufe dies Achselzucken, ja Unbehagen hervor. Doch eine Einladung zum Nachdenken ergehe auf jeden Fall an alle. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe zwar Demokratieerziehung begonnen. „Doch die Welt ist seit ein paar Jahren alles andere als ein friedlicher Planet. Eine unvorstellbare Wanderbewegung hat eingesetzt. 2015 waren circa 64 Millionen Menschen auf der Flucht. Diese globale Flüchtlingskrise hat auch bei uns ein Gesicht bekommen durch Asylsuchende, die in unserer Stadt leben und den Frieden suchen.“ Dieser Friede aber sei ein sehr fragiles Gut, und deshalb sind auch Grundrechte wie Meinungsfreiheit oder die Würde des Menschen immer wieder zu verteidigen.
Den Kirchenzug zum Kriegerdenkmal führten die Egerländer Blaskapelle und die Fahnenabordnungen der Vereine an. Nach der Kranzniederlegung mahnte das Stadtoberhaupt, friedliche Konfliktlösungen verlangten Einsicht und Entgegenkommen, und das beginne schon bei jedem Einzelnen.fis