Waldkraiburg – In zwei Operationen hat Dr. Reda Agha zuerst den faustgroßen malignen melanozytären und dann den kleineren darüber liegenden Tumor an Anna Kroihers Wange entfernt – unter lokaler Betäubung. Das Risiko einer Vollnarkose für die 98-Jährige wäre viel zu groß gewesen.
Heilung war nicht
das Ziel, sondern Erleichterung der Pflege
„Das war auch ein Grund, warum sich kein Arzt getraut hat, den Tumor zu entfernen – und weil eine offene Wunde geblieben wäre“, erklärt Roswitha Kroiher, die Tochter der Patientin, die im Pflegeheim St. Mechthild lebt.
Ein malignes Melanom ist ein bösartiger, aggressiver Krebs, der großflächig ausgeschnitten und bestrahlt werden muss. Und die Wunde heilt nicht, wie der Chirurg Agha auf Nachfrage der Zeitung erklärt.
Die Versorgung des großen Geschwürs war sehr schwierig und aufwendig.
„Da hat Frau Kroihers Tochter auch was mitgemacht, die hat sich dreimal täglich mit dem Heimpersonal beim Verbinden abgewechselt“, so Agha.
Ein unmenschlicher Zustand für die Patientin und das Umfeld. Das konnte in Aghas Augen nicht so bleiben. Eine Heilung sei nicht möglich und auch nicht das Ziel gewesen – sondern eine Erleichterung der Pflege.
Dass das Ergebnis so gut wird, hätte er sich nicht erträumt. „Da kann man von einem medizinischen Wunder sprechen. Ein klinisch und medizinisch sehr interessanter Fall“, stellt der Chirurg, der viel Erfahrung mit Wundbehandlung hat, fest. Gute Resultate erziele er bei der Elektrokauterisierung. Er schneidet das Gewebe heraus und verödet es vereinfacht gesprochen – wie im Fall von Anna Kroiher.
Nasenspray auf Tumor verringert Blutungen
Sie wird bald 99 und ist geistig noch sehr fit. Sie hört gut und interessiert sich für das Zeitgeschehen. Im Heim nimmt sie auch wieder gerne an der Gymnastik teil. Jetzt, wo ihr der „schwere Sack an der Wange“ nicht mehr im Weg ist. Schmerzen hatte sie glücklicherweise nicht durch den Krebs.
„Dass ich jetzt so dasitze und Weihnachten nochmal erleben darf, verdanke ich Dr. Agha“, sagt die kleine alte Dame strahlend. Er ist ihr Held, denn er hat eine Operation gewagt, an die sich andere Ärzte nicht mehr herangetraut hätten.
Der Tumor tauchte vor drei Jahren in Form von roten Flecken auf. Eine Gewebeprobe wurde eingeschickt, der Befund war niederschmetternd und eindeutig und der Hautarzt riet dringend zu einer Operation in einer Klinik in München. Diese lehnte die betagte Dame jedoch ab. „Eine Hautverpflanzung wäre notwendig gewesen, der Lymphknoten hätte entfernt werden müssen. Mutti hatte Angst davor, auch vor einer Infektion“, erklärt ihre Tochter – und dann auch noch die Vollnarkose.
Nach der Gewebeprobe blutete die Stelle nach. Zur Notfallversorgung wurde Dr. Agha ins Seniorenheim gerufen. „Obwohl er keinen Dienst hatte und sie nicht seine Patientin war, kam Agha, nähte und versorgte die Mutti“, so Roswitha Kroiher.
Der Tumor wuchs zunächst langsam und dann plötzlich sehr schnell, nässte und blutete auch immer wieder. „Der war am Ende wie ein schwerer Sack, zog mein rechtes Auge und den Mundwinkel runter“, beschreibt die Patientin ihre Situation. Bei jeder Bewegung oder Berührung musste sie Angst vor einer neuen Blutung haben. Wenn sie davon erzählt, schüttelt es sie.
Das Palliativteam gab den Tipp, Nasenspray auf das Geschwür zu sprühen, weil es die Gefäße verengt. Auch kam ein Sprühpulver zur Blutstoppung zum Einsatz. „Wir mussten uns dauernd was einfallen lassen“, so Roswitha Kroiher, die das Verbinden gemeinsam mit dem Heimpersonal übernahm.
Dr. Agha riet zur Entfernung, aber die Angst vor den Risiken war bei Anna Kroiher und ihren Kindern, die gemeinsam abwogen, größer; sie zögerten. Doch der Tumor wuchs schnell und die Beeinträchtigung wurde immer schlimmer.
Nun aber wagte sich kein Arzt mehr mit einem Skalpell an das Problem heran. „Zu kompliziert, zu nah am Auge, zu riskant“ lehnen sie ab, berichtet Roswitha Kroiher, die wöchentlich das Tumorwachstum mit dem Fotoapparat dokumentierte.
Dr. Reda Agha gab der Familie Zuversicht. Das Vertrauen in ihn zahlte sich aus. Komplikationen gab es keine und der Eingriff war erfolgreich. Nun hat die alte Dame ihre Lebensqualität wieder. Beim Turnen traut sie sich jetzt wieder, den Ball zu fangen, ohne Angst vor einer falschen Bewegung haben zu müssen.