Waldkraiburg – „Waldkraiburg – Bilder erzählen Geschichte“ ist der Titel des neuen Bandes, den Stadtarchivar Konrad Kern im Geiger-Verlag veröffentlicht hat.
Es beginnt mit einem Blick ins Flüchtlingslager „Pürten“ im Jahr 1949, das zu dieser Zeit als Wohnlager für die ersten Einwohner Waldkraiburgs genutzt wurde. Und es schließt mit einem Foto von Oliver Daum, eines Waldkraiburger Spitzensportlers, der Ende der 1990er-Jahre zu den besten Mittelstreckenläufern Deutschlands zählte.
Ein halbes Jahrhundert in Bildern
Dazwischen öffnet sich ein halbes Jahrhundert in Bildern, ein buntes Allerlei der Stadtgeschichte, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit interessanten Ansichten, die einen Eindruck von den Anfängen auf den Trümmern eines Rüstungswerks und von der städtebaulichen Entwicklung in den Nachkriegsjahrzehnten geben. Fotos von markanten Gebäuden, Häusern die längst nicht mehr stehen, von Straßen und Vierteln, die ihr Gesicht völlig verändert haben, von frühen Wohnquartieren und Mehrgeschossbauten, vom Bahnhof oder vom legendären Kino, vom ersten Postamtsgebäude und vom Zentrum, als es noch kein Stadtplatz war. Ansichtskarten der 1950er- und 60er-Jahre vermitteln, was Waldkraiburg damals von sich herzeigte.
Andere Fotos erinnern an denkwürdige Ereignisse der Stadtgeschichte: vom Gemeindegründungstag im Mai 1950 über die Einweihung der Jugendbegegnungsstätte „Haus Sudetenland“, die Grundsteinlegung für das Rathaus oder die erfolgreiche Teilnahme Waldkraiburgs an der Fernsehshow „Spiel ohne Grenzen“, einem Straßenfeger der 1970er-Jahre.
Die Industrie, die Waldkraiburg von Anfang an besonders geprägt hat, ist mit einigen höchst eindrucksvollen Bildern aus der Produktion vertreten, die an die 1950er-Jahre und längst geschlossene Betriebe wie die Glashütte erinnern.
Mehrere Seiten des Buches sind dem Waldkraiburger Einzelhandel und vor allem der Gastronomie und Hotellerie anno dazumal gewidmet: „Egerländer Hof“, „Weißer Hirsch“, die legendäre Großgaststätte, „Waldschänke“ und andere mehr, die längst aus dem Stadtbild verschwunden sind, sind da noch einmal zu sehen.
Schließlich setzt der Band Ereignisse aus dem Leben der Vereine und Heimatgruppen, von kirchlichen Festen, Umzügen und Jubiläen, Wettkämpfen oder Sportfesten ins Bild. Der Leser erfährt da zum Beispiel, dass sich in Waldkraiburg, das seiner Zeit oft voraus ist, schon um 1949 eine Damenfußballmannschaft am alten Sportplatz am Bunsenweg traf. Wie sehr sich das Alltagsleben nicht nur in Waldkraiburg in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts verändert hat, auch das vermittelt dieser Bildband aufmerksamen Lesern. Größer könnte der Kontrast kaum sein, zwischen dem Schauturnen der Schuljugend in Reih und Glied (aus dem Jahr 1953), das anmutet wie Bilder aus einer untergegangenen düsteren Zeit, und dem Basketball-Sommercamp, bei dem 40 Jahre später und ein paar Seiten weiter ein farbiger Basketball-Profi den Kids an der Liszt-Schule seine coole Sportart näherbringt.
Die Bilderauswahl wird durch keinen roten Faden, kein Thema zusammengehalten, ihre Wirkung lebt vom Charme, den alte Fotos auch in diesem Fall verströmen. Konrad Kern hat sie aus dem Fundus des Archivs ausgewählt, das durch den Ankauf von Sammlungen professioneller Fotografen, durch Schnappschüsse von Privatleuten, Bildbestände von Vereinen und Institutionen gut bestückt ist. Auch die Bildtexte hat der Archivar recherchiert und geschrieben, Erika Rahnsch vom Förderverein Stadtmuseum Korrektur gelesen.