Schützengesellschaft aufgelöst

In Pürten wird nicht mehr geschossen

von Redaktion

„Aus is‘ und gar is‘ und schad‘ is‘, dass wahr is‘“ – dieses bayerische Sprichwort passt dieser Tage auch in Pürten: Die Schützengesellschaft – seit 1951 im hiesigen Gasthaus sesshaft – hat sich aufgelöst.

Waldkraiburg-Pürten – Nachdem sich bei der vorausgegangenen Jahreshauptversammlung im Gasthaus „Adria Grill“ in St. Erasmus keine Veränderungen bezüglich der vorhandenen Situation (siehe Stellungnahme des Schützenmeisters) herausstellten, fand anschließend eine außerordentlich einberufene Mitgliederversammlung zur Auflösung des 70 Mitglieder zählenden Vereins statt. Mit 29 Ja-Stimmen und einer Gegenstimme wurde die Vereinsauflösung beschlossen.

Erster Schützenmeister Martin Hörth und sein Stellvertreter Richard Wagner wurden als Liquidatoren eingesetzt. Dieser Beschluss erfolgte mit 28 Befürwortungen und zwei Enthaltungen. Die Liquidatoren sind dazu bevollmächtigt, die noch anstehenden Aufgaben des Vereins abzuwickeln und zu beenden.

Einige Ausräumungsarbeiten am Schießstand sind noch erforderlich. Es ist angedacht, die Schützenkette sowie die Vereins-Chronik und die ältesten Schützenscheiben an das Stadtarchiv zu übergeben.

Laut der bestehenden Satzung fällt das Vermögen (rund 4000 Euro) bei Auflösung des Vereins an die Stadt Waldkraiburg. Es soll Vereinen aus der ehemaligen Gemeinde Pürten zugute kommen und für gemeinnützige Zwecke – möglichst zur Förderung der Jugendarbeit – verwendet werden.

Abschließend dankte der langjährige Schützenmeister Hörth seinen Vorstandskollegen und den Mitgliedern für die Unterstützung in seiner Amtszeit.

Besonderen Dank des Vereins verdient jedoch Martin Hörth selbst für sein beispielhaftes Engagement in zwei Jahrzehnten.

Die Ehrungen langjähriger Mitglieder waren dann der erfreuliche Punkt in der Jahreshauptversammlung. 40 Jahre haben Hans Haider, Luise Kneißl und Georg Lukas der SG Pürten die Treue gehalten; Georg Ametsbichler, Dorel Streckfusz und Robert Worschech waren seit zehn Jahren dabei.

Aktivitäten gab es laut Rückblick vom Schützenmeister im letzten Vereinsjahr nur noch wenige: Sieben Schützinnen waren beim Gaudamen-Schießen in Aspertsham dabei, beim Ametsbichler-Pokalschießen in Fraham wurde der sechste Platz erzielt, ebenso bei der Stockschützen-Ortsmeisterschaft. Martin Hörth organisierte noch einen Ausflug der Pürtner Ortsvereine nach Bamberg.

Stefan Lehner zeigte in seinem Kassenbericht für das Jahr 2016 Einnahmen von 315 Euro und Ausgaben über 4875 Euro auf, die durch abgegebene Spenden und die Überarbeitung der Schützenkette entstanden sind. Im Jahr 2017 betrugen die Einnahmen 730 Euro, gegenüber den Ausgaben von 752 Euro.

Georg Lukas – früher langjähriger Pürtener, jetzt in Weilheim wohnhaft – bedauerte, dass nun eine gute Verbindung hierher damit zu Ende geht. Denn jedes Jahr kam er gerne zum beliebten Anfangsschießen und zielte für den Frauenbund.

Hörth gab einen kleinen Rückblick in die Vereinsgeschichte: Seit 7. Januar 1951 bestand der Schützenverein und war eine Sparte des Radfahrervereins, ab 1983 war er eigenständig. 1975 Einweihung des jetzigen Schießstandes im Gasthaus Pürten. 2003 Umgestaltung der Schützenkette.

Ab 2009 Umstellung der Vereinswaffen auf neue Presslufttechnik. Von 1960 bis 2014 beteiligten sich die Pürtener Schützen mit bis zu sechs Mannschaften an den Gaurundenwettkämpfen. Von 1975 bis 2015 wurde insgesamt 40-mal das Anfangsschießen mit der Ortsmeisterschaft mit sehr großem Erfolg und zum Abschluss sogar mit 150 Teilnehmern abgehalten.

Drei Fragen an: Schützenmeister Hörth

Warum kam es zur Auflösung?

Der entscheidendste Punkt ist, dass seit der Schließung vom Gasthaus Pürten vor knapp sieben Jahren die Schützengesellschaft schon „auf Sparflamme leben“ musste und das „geschmälerte“ Vereinsleben nur durch erheblichen Arbeitseinsatz – sprich auch Bewirtung – einigermaßen aufrechterhalten werden konnte. Laut Bräu Georg Ametsbichler ist nach wie vor kein neuer Pächter für das Gasthaus in Sicht. Zudem fehlen die Jugend sowie besonders auch die Generation zwischen 25 und 40 Jahren für eine künftige Vereinsführung. Die bisherige Vorstandschaft ist überwiegend schon jahrzehntelang tätig und nicht mehr bereit, unter diesen Voraussetzungen weiterzumachen. Ich sowie mein Stellvertreter Richard Wagner sind seit über 20 Jahren im Amt, Barbara Meingaßner ist über 30 Jahre lang Schriftführerin und Kassier Stefan Lehner fast zehn Jahre tätig.

Hätte es eine andere Option gegeben?

Sich einem anderen Schützenverein anzuschließen – ist nicht auf Begeisterung gestoßen und hätte auch die besagten Probleme nicht gelöst. Ein paar unserer Schützen schießen schon bei anderen Vereinen mit. Ein „Ruhen des Vereins“ ist nach dem BGB nicht möglich.

Ist es nicht schade um den Verein?

Natürlich bedauern wir alle dieses Ende – es war eine schöne Zeit! Aber unser „aktiver Stamm“ ist halt auch nicht mehr der Jüngste und hat teilweise sogar jahrzehntelang bei den Rundenwettkämpfen geschossen. Dann ist halt auch „die Luft raus“ für einen aktiven Einsatz – wenn keine Zukunft besteht.

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