Aus der Bürgerversammlung

Nicht ohne unser Wirtshaus!

von Redaktion

Aschau hat acht Wirtshäuser, sagte Bürgermeister Alois Salzeder in der Bürgerversammlung. Das rief Stirnrunzeln und Protest bei so manchem Aschauer hervor. Schließlich geht es darum, was aus dem ehemaligen Wirtshaus Pichlmeier werden soll. Wenn es nach den Bürgern geht, muss „a gscheider Wirt“ her, der auch Sonntagmittag auskocht.

Aschau – Das Pichlmeier-Areal hat die Gemeinde heuer im Frühjahr gekauft. Das in die Jahre gekommene Wirtshaus stand seit einiger Zeit leer. Es gab noch zwei weitere Kaufinteressenten, die das Gebäude wegreißen und neue Wohnungen errichten wollten.

Übrigens auch ein Schritt, den die Regierung von Oberbayern für diesen Platz empfiehlt, wie Bürgermeister Alois Salzeder in der Gemeindehalle berichtete. Schließlich, so das Gemeindeoberhaupt, habe Aschau ja noch acht weitere Wirtshäuser, dazu zählte er zum Beispiel das Stauwerk, Howaschen, den Griechen oder Scheuern. Zu viel Konkurrenz für einen neuen Wirt?

Derzeit gibt es für das ehemalige Pichlmeier-Wirtshaus zudem keine gaststättenrechtliche Erlaubnis. Für eine Genehmigung gebe es große Hürden, etwa auch den Immissionsschutz der Nachbarn, ganz zu schweigen vom Investitionsstau. Auf dem Grundstück seien keine Dienstbarkeiten eingetragen. Architekt Josef Anglhuber, mit dem man eine Begehung hatte, betrachtet die Räumlichkeiten, die etwa 1920 errichtet wurden, als erhaltenswert.

„Zwei Millionen Euro müsste die Gemeinde investieren, damit ein Wirt übernehmen könnte“, erklärte Salzeder auf Nachfrage der Zeitung.

In der Versammlung sagte Salzeder, die Bürger dürfen sich beteiligen, was aus dem Gebäude werden soll. „Wenn ein Wirt kommt und investieren will, sind wir gesprächsbereit.“

Das Thema Wirtshaus war für die Bürger damit aber noch lange nicht erledigt. Die entsprechenden Wortmeldungen bestätigen, was gewollt ist: ein richtiges Wirtshaus, wo man am Sonntag nach der Kirche zum Frühschoppen hingeht, zum Trauermahl oder wo man eine größere Hochzeit feiert.

„Wirtschaft ist nicht gleich Wirtschaft.“

Hans Asanger

„Ich bin nicht der Meinung, dass genügend Wirtshäuser da sind“, sagte Franz Mitterberger senior. Und zum Thema Konkurrenz merkte er an, auch der Bäcker Greimel stelle für die bestehende Bäckerfiliale im Don-Bosco-Markt eine dar.

„Der Greimel hat eine hohe Qualität und die Bürger begrüßen das“, so Salzeder. Ein Wirt habe aber eine andere wirtschaftliche Situation, die schwierig sei. Dazu habe er mit vielen Gastronomen gesprochen und Stimmen eingeholt. Fazit: Der Staat verdient an der Currywurst mehr als der Wirt. „Es gibt zu viele Kosten, um vernünftig davon leben zu können. Man kann nicht allein von Stammgästen oder dem Frühschoppen leben. Und Personal zu bekommen ist nicht einfach“, gab Salzeder zu bedenken.

Zum Frühschoppen gingen doch heute nur mehr sieben bis acht Leute, die dann nach Scheuern fahren. Außerdem gingen heute die Leute weniger zum Essen als früher, sagte er,

„Wirtschaft ist nicht gleich Wirtschaft“, bemerkte Hans Asanger in Bezug auf Salzeders Aufzählung der Lokalitäten im Gemeindegebiet. Beerdigungsgesellschaften – rund 25 habe es heuer schon gegeben – müssten oft nach Ampfing oder Mettenheim ausweichen.

„Wir brauchen eine Wirtschaft und einen Saal. Da müsst ihr euch was überlegen“, sagte er in Richtung Gemeinde und Gemeinderat. Unterstützender Applaus im Saal. Gedankenspiele, was man alles hinbauen könnte, gefielen ihm nicht.

Salzeder erinnerte mehrmals an sein Angebot zur Bürgerbeteiligung. Er wies auch darauf hin, dass man mit größeren Gesellschaften auch in Waldwinkel Platz finden könnte.

Pater Bernhard Stiegler schlug vor, nach dem Vorbild von Rattenkirchen, den Pichlmeier so herzurichten, dass eine Art Bürgerhaus entsteht, wo die Feiernden sich um Catering und Selbstversorgung kümmern. Dann trage nicht ein Wirt das Risiko.

Andreas Reiter hielt fest: „In Aschau ist kein Wirt da. Man kann sonntags nicht mehr mit der Familie essen gehen. Klar sind die Auflagen hoch für die Gastronomie“, so Reiter. Ihn irritiere aber , dass Aschau viele neue Leute durch Arbeitsplätze oder das Neubaugebiet anziehe, kulinarisch aber nichts zu bieten habe.

Er schlug vor, in einer Gastro-Fachzeitung auszuschreiben: Gemeinde sucht Wirt. „Den darf man aber nicht mit der Pacht kaputtmachen“, schob er hinterher. Als gutes Beispiel, wo ein „totes Wirtshaus“ neu belebt wurde, nannte er Pittenhart.

Salzeder berichtete von Gemeinden, die in ihren Pachtobjekten mit ständigem Pächterwechsel und Leerstand zu kämpfen haben. Die Idee mit der Ausschreibung könnte man gern umsetzen, sagte er.

Gabi Reiter schlug vor, sie wolle Kontakt mit Gemeinden aufnehmen, bei denen so ein Konzept wunderbar geglückt sei – wie etwa in Feichten und Massing, denn da laufe es gut – die Ideen zusammenzutragen und sie dem Gemeinderat vorzustellen. Das kam gut bei den Anwesenden an.

Engelbert Kölbl zeigte Verständnis für die Sorge des Bürgermeisters, einen geeigneten Wirt zu finden. Aber auch für die Wunschvorstellungen der Bürger. „Das alles steht und fällt aber mit dem Betreiber. Es hilft nichts, ein Konzept zu haben, wenn es der Pächter nicht leisten kann.“

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